Ein Volksfest in der Gluthitze: In Naumburg an der Saale hat das Hussiten-Kirschfest auch bei hochsommerlichen Temperaturen viele Menschen angezogen. Der Höhepunkt aber, der große Festumzug, musste ausfallen.

Hitze zwingt zur Absage

Wegen der extremen Temperaturen sagte die Stadt den traditionellen Festumzug ab. Bei Werten, die örtlich an die 40 Grad reichten, wäre der stundenlange Zug durch die Stadt für Teilnehmende – darunter viele Kinder – und auch für die mitgeführten Pferde zu gefährlich gewesen. Stattdessen richteten die Veranstalter zusätzliche Wasserstellen ein und verstärkten die Sanitätsdienste. Der Rest des Festes lief weiter, und die Besucher kamen trotzdem.

Eine Legende aus dem 15. Jahrhundert

Das Kirschfest gehört zu den ältesten Heimatfesten der Region. Seine Wurzel ist eine Sage aus dem Jahr 1432: Damals soll die Stadt von den Hussiten belagert worden sein. Der Überlieferung nach schickte ein Lehrer die Kinder Naumburgs in das feindliche Lager, um Gnade zu erbitten – woraufhin der Heerführer Prokop sich erweicht gezeigt, die Belagerung beendet und den Kindern Kirschen geschenkt habe.

So schön die Geschichte ist – historisch gesichert ist sie nicht. Schriftlich fassbar wird die Legende erst rund 250 Jahre später; populär wurde sie im 18. Jahrhundert. Fachleute sehen darin eher eine wandernde Sage als ein belegtes Ereignis. Für das Fest tut das keinen Abbruch: Es lebt gerade von dieser Erzählung.

Tradition mit Augenmaß

Im Normalfall ziehen Hunderte Mitwirkende in historischen Gewändern durch Naumburg, dazu gibt es ein Lager, Handwerksvorführungen, Festzelte und Wein aus dem Anbaugebiet Saale-Unstrut. Dass die Stadt den beliebten Umzug in diesem Jahr dennoch absagte, zeigt einen pragmatischen Umgang mit dem Brauchtum: Sicherheit vor Spektakel. Die Tradition selbst bleibt davon unberührt – das Kirschfest, mit oder ohne Umzug, ist ein fester Teil der Naumburger Identität.