Eine staatliche Steuersenkung soll an der Zapfsäule ankommen – doch wie viel davon tatsächlich beim Autofahrer landet, hängt offenbar stark vom Kraftstoff ab. Das zeigt eine Auswertung des Münchner Ifo-Instituts zum laufenden Tankrabatt.

Benzin fast voll, Diesel nur zum Teil

Beim Benzin fällt die Bilanz positiv aus: Laut Ifo-Institut wurde die Steuersenkung bei Super E5 und E10 mit rund 16 bis 17 Cent pro Liter nahezu vollständig an die Kundinnen und Kunden weitergegeben. Beim Diesel dagegen kam deutlich weniger an: Im Schnitt waren es etwa 12 Cent pro Liter – bei einer Senkung, die rechnerisch knapp 17 Cent hätte ausmachen können. Das entspricht einer Weitergabe von nur rund 72 Prozent. Der Rest verbleibt bei den Mineralölunternehmen.

Wie die Forscher messen

Um den reinen Effekt des Rabatts von normalen Marktbewegungen zu trennen, vergleichen die Ökonomen die deutschen Spritpreise mit denen in Frankreich, wo es eine vergleichbare Senkung nicht gibt. So lässt sich abschätzen, wie sich die Preise ohne den Eingriff entwickelt hätten. Auf dieser Basis kommt das Institut zu dem Schluss, dass die Lücke beim Diesel kein Zufall ist, sondern systematisch über den Zeitraum auftritt.

Warum gerade Diesel?

Eine mögliche Erklärung liegt im Kundenverhalten. Diesel wird stark von Berufspendlern, Handwerk und Logistik getankt – Gruppen, die auf das Auto angewiesen sind und seltener spontan die Tankstelle wechseln. Wo die Preisempfindlichkeit geringer ist, haben Anbieter größeren Spielraum, einen Teil der Senkung als Marge einzubehalten. Bewiesen ist ein gezieltes Vorgehen damit nicht – die Zahlen legen aber nahe, dass der Wettbewerb beim Diesel weniger Druck erzeugt.

Worauf es jetzt ankommt

Für Verbraucher ist die Lehre ernüchternd: Eine Steuersenkung garantiert nicht, dass das Geld auch ankommt. Entscheidend ist, wie funktionsfähig der Wettbewerb an der Tankstelle ist. Verbraucherschützer und Kartellwächter dürften die Spritpreise daher genau im Blick behalten – gerade mit Blick darauf, ob die Preise nach dem Auslaufen des Rabatts schneller steigen, als sie zuvor gesunken sind.