Spottbillig, schnell geliefert – und mitunter belastet: Ein neuer Labortest wirft erneut ein schlechtes Licht auf die Produkte des Onlinehändlers Shein. In mehreren Kleidungsstücken fanden die Prüfer gefährliche Chemikalien in erheblichen Mengen.
Der Befund
Im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) untersuchte das Bremer Umweltinstitut 18 Kleidungsstücke von Shein. Sieben davon überschritten die in der EU geltenden Grenzwerte. Besonders auffällig waren Jacken und Stiefel. So enthielt ein Paar Damenstiefel den Weichmacher DEHP in einer Konzentration, die den zulässigen Wert um ein Vielfaches übertraf. Bei den sogenannten PFAS – langlebigen Industriechemikalien, die im Volksmund „Ewigkeitschemikalien" heißen – fiel die Überschreitung noch drastischer aus: Eine Kinderjacke lag laut Test um mehr als das Tausendfache, eine weitere Jacke um ein Vielfaches darüber.
Warum das gefährlich ist
Die nachgewiesenen Stoffe gelten nicht ohne Grund als problematisch. Weichmacher wie DEHP stehen im Verdacht, hormonell zu wirken und die Fortpflanzung zu beeinträchtigen. PFAS reichern sich in Umwelt und Körper an, lassen sich kaum abbauen und werden mit verschiedenen Gesundheitsrisiken in Verbindung gebracht. Gerade bei Kinderkleidung, die direkt auf der Haut getragen wird, sind solche Funde besonders heikel.
Kein Einzelfall
Es ist nicht das erste Mal, dass Shein-Produkte negativ auffallen. Bereits Anfang 2026 hatte ein Test im Auftrag von Greenpeace in zahlreichen Kleidungsstücken überschrittene Grenzwerte festgestellt. Die Häufung deutet auf ein strukturelles Problem hin – und nicht auf einzelne Ausreißer in der Produktion.
Forderungen und Reaktion
Die Deutsche Umwelthilfe hat Shein abgemahnt und verlangt, die belasteten Produkte aus dem Verkehr zu ziehen. Zudem will sie die Ergebnisse den zuständigen EU-Stellen vorlegen. Shein erklärte, man nehme die Vorwürfe ernst, prüfe die Sachverhalte und nehme betroffene Artikel vorerst aus dem Sortiment.
Die größere Frage
Der Fall verweist auf eine Lücke im System: Billigware, die direkt aus Fernost an europäische Kundinnen und Kunden verschickt wird, unterläuft oft die Kontrollen, die für den heimischen Handel selbstverständlich sind. Verbraucherschützer fordern daher seit Längerem strengere Einfuhrkontrollen und eine konsequentere Schadstoffprüfung – damit ein niedriger Preis nicht zulasten der Gesundheit geht.



