Für den Elektroauto-Hersteller Polestar ist der wichtige US-Markt bald Geschichte. Schuld ist nicht die Nachfrage, sondern die Politik: Eine neue amerikanische Sicherheitsregel macht den Verkauf der vernetzten Autos praktisch unmöglich.

Was passiert

Wie heise online berichtet, kann Polestar seine Fahrzeuge in den USA noch bis zum Modelljahr 2026 verkaufen, danach aber keine neuen Modellvarianten mehr anbieten. Hintergrund ist eine US-Regel, die ab dem Modelljahr 2027 vernetzte Fahrzeuge untersagt, wenn der Hersteller oder der Anbieter der verbauten Software unter chinesischer Kontrolle oder Rechtshoheit steht. Genau das trifft auf Polestar zu.

Warum die Marke betroffen ist

Polestar ist zwar eine schwedische Marke mit Sitz in Göteborg, gehört aber zum chinesischen Geely-Konzern; an dessen Spitze hält der Unternehmer Li Shufu die Mehrheit – und kontrolliert damit auch Volvo und Polestar. Vernetzte Autos sammeln und übertragen über Mobilfunk, WLAN und Bluetooth große Mengen an Daten. Die US-Behörden sehen darin bei Herstellern mit China-Bezug ein Sicherheitsrisiko und wollen solche Fahrzeuge vom Markt fernhalten. Für Polestar bedeutet die Regel faktisch das Aus in den Vereinigten Staaten.

Das Rätsel um Volvo

Pikant ist der Vergleich mit der Schwestermarke: Volvo, ebenfalls von Geely kontrolliert, erhielt eine Ausnahmegenehmigung und darf weiter vernetzte Autos in den USA verkaufen – offenbar, weil der Konzern die Datenverarbeitung so umbaute, dass keine Informationen nach China fließen. Warum Polestar keine vergleichbare Lösung gelang oder zugestanden bekam, ist offiziell nicht erklärt; Kritiker bemängeln die Intransparenz des Verfahrens.

Folgen für Kunden und Konzern

Bestehende US-Kundinnen und -Kunden stehen nicht sofort ohne Auto da, müssen sich aber auf Unsicherheiten bei Service und Ersatzteilen einstellen. Für Polestar ist der Rückzug ein Rückschlag, auch wenn der Schwerpunkt des Geschäfts ohnehin in Europa liegt. In Kanada will die Marke vorerst weiter aktiv bleiben.

Ein Vorbote der Fragmentierung

Der Fall ist mehr als eine Einzelentscheidung. Er zeigt, wie der Handelskonflikt zwischen den USA und China zunehmend auch ganz normale Konsumprodukte erfasst – und wie die globale Autoindustrie entlang geopolitischer Linien auseinanderdriftet. Vernetzte Fahrzeuge, deren Datenflüsse nicht vollständig unter westlicher Kontrolle stehen, geraten dabei besonders ins Visier.