Zypressen, Weinhänge, ein mildes Licht über sanften Hügeln – die Toskana ist ein Sehnsuchtsort. Doch wer dieses Gefühl sucht, muss nicht zwangsläufig die Alpen überqueren. Mehrere Regionen in Deutschland werben mit dem Beinamen „Toskana" – und liegen damit gar nicht so falsch.
Der Süden: Markgräflerland
Südlich von Freiburg, zwischen Schwarzwald und Rhein, erstreckt sich das Markgräflerland – oft als „Toskana Deutschlands" bezeichnet. Dank der geschützten Lage und der nahen Burgundischen Pforte herrscht hier ein besonders mildes Klima; der Frühling kommt früher als anderswo im Land. An den sonnigen Hängen reifen vor allem Reben der Sorte Gutedel. Wer durch die Weinberge wandert und auf die Rebzeilen blickt, könnte sich tatsächlich für einen Moment in den Süden versetzt fühlen.
Der Norden: Saale-Unstrut
Ganz anders gelegen, aber mit demselben Anspruch: das Weinbaugebiet Saale-Unstrut in Sachsen-Anhalt und Thüringen, das sich stolz „Toskana des Nordens" nennt. Es ist eines der nördlichsten Weinanbaugebiete Europas. Entlang der Flüsse Saale und Unstrut ziehen sich Weinterrassen, Streuobstwiesen und Trockenmauern durch eine hügelige Landschaft, über der Burgen und Schlösser thronen. Mittelalterliche Orte und alte Klosteranlagen verstärken den südlich-mediterranen Eindruck – im Sommer ein überraschend italienisch anmutendes Bild.
Was die Regionen verbindet
So weit Markgräflerland und Saale-Unstrut auseinanderliegen, das Rezept für das Toskana-Gefühl ähnelt sich: eine wellige Hügellandschaft, Weinbau bis an die Horizontlinie, historische Dörfer und ein vergleichsweise mildes, sonniges Klima. Auch andere deutsche Landstriche – etwa der Kraichgau zwischen Schwarzwald und Odenwald – werden gern in diese Reihe gestellt. Gemeinsam ist ihnen das Spiel von Licht, Wein und sanfter Topografie.
Urlaub vor der Haustür
Der Reiz dieser „deutschen Toskanen" liegt nicht zuletzt in ihrer Erreichbarkeit. Statt langer Anreise genügt oft eine kurze Fahrt, um Weinberge, gute Tropfen und einen Hauch Süden zu erleben – mit kleinen Winzerhöfen, Wanderwegen und Aussichtspunkten. Wer in diesem Sommer die Ferne im Geldbeutel oder im Terminkalender nicht unterbringt, findet das italienische Lebensgefühl vielleicht näher, als er denkt. Das Original ersetzt das nicht – aber für ein Wochenende reicht der Zauber allemal.



