Australien hat mit einem der weltweit strengsten Gesetze zum Jugendschutz im Internet international Aufsehen erregt. Nun schärft die Regierung nach – und verdoppelt die Strafen für Plattformen, die das Verbot für Minderjährige unterlaufen.
Härtere Strafen
Nach Angaben von heise online steigt die mögliche Höchststrafe für Verstöße von bisher 49,5 auf künftig 99 Millionen australische Dollar – umgerechnet rund 60 Millionen Euro. Betroffen sind große Anbieter wie Meta und Google. Durchgesetzt wird das seit Dezember geltende Verbot von der australischen Internet-Aufsichtsbehörde eSafety Commission; politisch verantwortet wird es von Kommunikationsministerin Anika Wells und Premierminister Anthony Albanese. Die Behörde soll zudem mehr Befugnisse erhalten, um Daten von den Plattformen und von Anbietern der Altersverifikation einzufordern.
Das Verbot zeigt Lücken
So entschlossen die Maßnahme wirkt, so ernüchternd ist die bisherige Bilanz. In einer Umfrage gaben 61 Prozent der 12- bis 15-Jährigen an, weiterhin Zugriff auf mindestens eines ihrer Social-Media-Konten zu haben. Zwar wurden nach Regierungsangaben bereits rund fünf Millionen Konten von Minderjährigen entfernt – doch ein großer Teil der eigentlich ausgeschlossenen Altersgruppe ist offenbar weiter aktiv.
Das Kernproblem: die Altersprüfung
Der Grund liegt in der Schwachstelle jedes solchen Verbots: der Altersverifikation. Verlässliche, zugleich datensparsame Verfahren, um das Alter von Nutzern zweifelsfrei festzustellen, gibt es bislang nicht. Viele Kontrollen beruhen auf Selbstauskunft – Nutzer geben einfach an, wie alt sie sind. Strengere Methoden wie Ausweis-Uploads oder Gesichtsscans lassen sich umgehen und werfen ihrerseits Datenschutzfragen auf. Genau hier entscheidet sich, ob hohe Strafen überhaupt greifen können.
Jugendschutz gegen Datenschutz
Hinter dem Vorstoß steht ein nachvollziehbares Ziel: Kinder und Jugendliche vor problematischen Inhalten, vor Cybermobbing und vor den psychischen Folgen intensiver Plattformnutzung zu schützen. Kritiker wenden jedoch ein, dass ein pauschales Verbot grob ansetzt und dass jede Form der Alterskontrolle neue Datenberge schafft – mit eigenen Risiken. Zudem werden Jugendliche so auch von Angeboten ausgeschlossen, die für Information und Teilhabe nützlich sein können.
Ein Modell mit offenem Ausgang
Australien wird damit zum vielbeachteten Testfall. Andere Länder, auch in Europa, beobachten genau, ob sich Jugendschutz auf diese Weise wirksam durchsetzen lässt – oder ob das Vorhaben vor allem an der technischen Umsetzung scheitert. Klar ist nur: Mit der bloßen Androhung hoher Strafen allein ist es nicht getan, solange die Alterskontrolle nicht funktioniert.



