Borussia Dortmund hat einen seiner Größten verloren. Wolfgang Paul, jahrelang Kapitän und Abwehrchef der Schwarzgelben, ist nach langer Krankheit im Alter von 86 Jahren gestorben. Der Verein, dem er sein Leben lang verbunden blieb, trauert um eine echte Vereinsikone.

Der Mann für die Defensive

Geboren 1940 im sauerländischen Olsberg, kam Paul Anfang der 1960er-Jahre zum BVB und wurde dort schnell zum Fixpunkt der Abwehr. Seine Spielweise als kompromissloser Vorstopper trug ihm den bis heute untrennbar mit ihm verbundenen Spitznamen „Stopper" ein. Bemerkenswert: Trotz seiner robusten, zweikampfstarken Art sah er in seiner Dortmunder Zeit nie die Rote Karte – Härte und Fairness schlossen sich bei ihm nicht aus.

Der historische Triumph von 1966

Pauls Name ist für immer mit dem größten Moment jener Ära verbunden. Als Kapitän führte er Borussia Dortmund 1966 zum Gewinn des Europapokals der Pokalsieger – dem ersten europäischen Titel überhaupt für einen deutschen Verein. Im Finale von Glasgow bezwang der BVB den hohen Favoriten FC Liverpool nach Verlängerung mit 2:1, nachdem zuvor unter anderem Atlético Madrid und West Ham United ausgeschaltet worden waren. Es war ein Meilenstein, der den deutschen Fußball international auf die Landkarte setzte.

Auch national war Paul erfolgreich: 1963 wurde er mit Dortmund Deutscher Meister, 1965 gewann die Mannschaft den DFB-Pokal. Für seine Verdienste wurde er mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet, der höchsten staatlichen Sportehrung.

Nationalmannschaft ohne Einsatz

Eine besondere Fußnote bleibt seine Zeit in der Nationalmannschaft: Paul gehörte 1966 zum deutschen Aufgebot für die Weltmeisterschaft in England, bei der die DFB-Elf Vizeweltmeister wurde. Auf dem Platz stand er dabei allerdings nie – ein Länderspiel bestritt er in seiner Karriere nicht. Verletzungen warfen ihn gegen Ende der 1960er-Jahre zurück und zwangen ihn zu einem frühen Karriereende.

Ein Leben in Schwarz-Gelb

Nach der aktiven Laufbahn blieb Paul seinem Klub und seinem bodenständigen Wesen treu. Er arbeitete als Uhrmacher und Goldschmied und engagierte sich später im Umfeld des Vereins. In Erinnerung bleibt er als das, was Weggefährten gern eine „ehrliche Haut" nannten: ein Spieler, der ohne große Allüren alles für die Mannschaft gab. Borussia Dortmund verliert mit ihm ein Stück seiner Geschichte.