Wo einst gewaltige Bagger Braunkohle aus dem Boden holten, gleiten künftig Boote über das Wasser: Im Lausitzer Seenland werden an diesem Montag fünf große Seen erstmals zu einem zusammenhängenden, schiffbaren Verbund verknüpft.
Fünf Seen, drei neue Kanäle
Verbunden werden der Senftenberger, Geierswalder, Partwitzer, Sedlitzer und Großräschener See. Möglich macht das die Freigabe dreier neuer Kanäle: Der Sornoer Kanal verbindet den Geierswalder mit dem Sedlitzer See, der Rosendorfer Kanal führt zum Partwitzer See, der Ilse-Kanal zum Großräschener See. Zusammen mit bereits bestehenden Verbindungen entsteht so eine rund 50 Kilometer lange Route über eine Wasserfläche von etwa 5.300 Hektar. Erstmals lässt sich damit per Boot direkt von See zu See fahren – etwas, das in der zerklüfteten Bergbaufolgelandschaft jahrzehntelang unmöglich war.
Aus Tagebauen werden Seen
Die Geschichte dahinter ist die Geschichte eines ganzen Landstrichs. Über Generationen prägte der Braunkohletagebau die Lausitz; zurück blieben tiefe Gruben und eine zerstörte Landschaft. Statt diese Löcher einfach zu verfüllen, wurden sie kontrolliert geflutet. So entstand nach und nach das Lausitzer Seenland, das mit seinen Dutzenden Gewässern als eine der größten von Menschenhand geschaffenen Wasserlandschaften Europas gilt. Verantwortlich für die aufwendige Sanierung ist die bundeseigene LMBV, die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft.
Strukturwandel zum Anfassen
Für die Region ist der Seenverbund weit mehr als ein touristisches Highlight. Er steht für den Wandel nach dem Kohleausstieg, der bis 2038 vollzogen sein soll. Wo Arbeitsplätze in der Kohle wegfallen, sollen neue im Tourismus, in Gastronomie und Wassersport entstehen. Der lange als Bedrohung empfundene Abschied von der Kohle wird hier sichtbar in eine Chance umgedeutet – ein Modell, auf das auch andere Bergbauregionen blicken.
Ein Symbol mit Strahlkraft
Dass die Eröffnung mit politischer Prominenz aus beiden Bundesländern begangen wird, unterstreicht die Bedeutung des Projekts. Die verbundenen Seen sind damit zu einem Sinnbild geworden: dafür, dass sich auch tiefe Narben in der Landschaft – und in der Wirtschaft einer Region – heilen lassen, wenn genug Zeit, Geld und Geduld zusammenkommen. Für die Menschen vor Ort beginnt mit dem Verbund ein neues Kapitel, in dem das Wasser nicht mehr an die Vergangenheit erinnert, sondern Zukunft verspricht.



