Die ohnehin angespannte Lage zwischen Pakistan und Afghanistan verschärft sich weiter. Erneut hat das pakistanische Militär nach eigenen Angaben Ziele auf afghanischem Boden angegriffen – und erneut gehen die Darstellungen beider Seiten weit auseinander.

Die Angriffe

Nach Angaben Islamabads richteten sich die jüngsten Schläge gegen mehrere Stellungen der Pakistanischen Taliban (Tehrik-e-Taliban Pakistan, TTP) im afghanischen Grenzgebiet. Getroffen worden seien unter anderem ein Ausbildungslager, ein Waffenlager und ein Unterschlupf, der zwei TTP-Kommandeuren zugerechnet wird. Pakistans Informationsminister Attaullah Tarar sprach von einer gezielten Operation; das Militär gab an, dabei mehr als zwei Dutzend Aufständische getötet zu haben.

Zwei sehr unterschiedliche Darstellungen

Die Taliban-Regierung in Kabul zeichnet ein völlig anderes Bild. Nach Angaben ihres Sprechers Zabihullah Mudschahid wurden bei den Angriffen in den Provinzen Chost, Kunar und Paktika Zivilisten getötet – darunter elf Kinder, eine Frau und ein älterer Mann. Diese gegensätzlichen Schilderungen – hier präzise Schläge gegen Terroristen, dort getötete Familien – sind charakteristisch für den Konflikt und lassen sich unabhängig nur schwer überprüfen.

Der Auslöser

Als unmittelbarer Anlass der Angriffe gilt ein Anschlag im pakistanischen Karatschi: Dort hatten Bewaffnete einen Tag zuvor das Hauptquartier der paramilitärischen Rangers attackiert; drei Soldaten kamen ums Leben. Islamabad macht die TTP und ihr nahestehende Gruppen verantwortlich und wirft der Taliban-Regierung vor, den Aufständischen auf afghanischem Gebiet Rückzugsräume zu gewähren. Kabul weist das zurück.

Ein Konflikt mit langer Vorgeschichte

Die Gewalt entlang der umstrittenen Grenze – der sogenannten Durand-Linie – hat sich seit Monaten zugespitzt. Immer wieder folgen auf Anschläge in Pakistan Vergeltungsschläge im afghanischen Grenzland, auf die wiederum Gegenreaktionen folgen. Mehrere Versuche einer Vermittlung blieben bislang ohne dauerhaften Erfolg. Für die Zivilbevölkerung in der ohnehin verarmten Grenzregion bedeutet jede neue Eskalationsrunde vor allem eines: weitere Unsicherheit.