Was 2021 viele für einen Ausreißer hielten, hat sich nun bestätigt – und verstärkt: Bei der Gemeinderatswahl in Graz ist die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) erneut klar stärkste Kraft geworden. Die zweitgrößte Stadt Österreichs bleibt damit von einer kommunistischen Bürgermeisterin geführt.

Ein Erdrutsch in der Steiermark

Die KPÖ kam nach dem vorläufigen Ergebnis auf rund 35,6 Prozent der Stimmen und legte gegenüber der Wahl 2021 (28,84 Prozent) noch einmal deutlich zu. Bürgermeisterin Elke Kahr bleibt im Amt. Dass eine offen kommunistische Partei in einer westeuropäischen Landeshauptstadt nicht nur mitregiert, sondern sie anführt – und ihren Vorsprung sogar ausbaut –, ist ein in dieser Form seltenes Phänomen.

Die anderen Parteien verlieren

Hinter der KPÖ rangiert die konservative ÖVP mit rund 25,4 Prozent, gefolgt von den Grünen mit etwa 14,8 Prozent und der rechten FPÖ mit gut 12 Prozent. Besonders schwach schnitt die SPÖ ab, die auf rund 5,6 Prozent absackte; die liberalen NEOS lagen knapp darunter. Auffällig war die vergleichsweise geringe Wahlbeteiligung von rund 49 Prozent – ein Wert, der unter dem der Wahl von 2021 lag und für Diskussionen sorgte.

Warum die KPÖ in Graz so stark ist

Der Grazer Sonderweg hat eine lange Vorgeschichte. Über Jahre hat sich die KPÖ vor Ort einen Ruf als Kümmerer-Partei erarbeitet: mit einem Fokus auf bezahlbares Wohnen, Mieterschutz und Bürgernähe. Bekannt ist auch, dass die Mandatsträgerinnen und Mandatsträger einen großen Teil ihrer Bezüge abgeben und in einen Fonds für Menschen in Not einzahlen. Diese konsequent soziale Ausrichtung hat der Partei über das klassische linke Spektrum hinaus Vertrauen verschafft.

Kontrast zur Bundespolitik

Bemerkenswert ist der Gegensatz zur Stimmung im übrigen Österreich. Während in Graz die Linke triumphiert, liegen in bundesweiten Umfragen rechte Parteien wie die FPÖ vorn. Graz ist damit ein politischer Sonderfall – ein Beleg dafür, wie stark lokale Glaubwürdigkeit und konkrete Themen eine Wahl prägen können, unabhängig vom großen bundespolitischen Trend.