Feuer und Eis, das passt eigentlich nicht zusammen. Doch in Grönland hat es im Juni gleich zwei Vegetationsbrände gegeben, in der eisfreien Tundra im Westen der Insel, wie Spektrum der Wissenschaft berichtet. Die Brände waren nicht riesig, aber bemerkenswert früh und ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr sich die Arktis verändert.

Feuer in einer Landschaft aus Eis

Grönland ist zum allergrößten Teil von einer mächtigen Eisdecke bedeckt. Nur ein schmaler Streifen an den Rändern ist eisfrei, dort wächst die Tundra: niedrige Pflanzen, Moose, Flechten, dazu torfige Böden. Lange galt diese Landschaft als zu kalt und zu feucht, um zu brennen.

Dass sie es jetzt tut, und noch dazu im Juni, gilt als ungewöhnlich. Normalerweise, wenn überhaupt, brennt es dort eher im Hochsommer, wenn Pflanzen und Böden nach Wochen ohne Regen ausgetrocknet sind.

Ein junges Phänomen

Tundrabrände sind für Grönland eine relativ neue Erscheinung. Früher wurden dort praktisch keine Vegetationsbrände registriert; erst in den vergangenen rund zwei Jahrzehnten häufen sich solche Ereignisse. Das passt zu einem größeren Bild: In der gesamten Arktis treten Feuer heute häufiger und heftiger auf als früher, wie die NASA in einer Analyse zum Wandel des arktischen Feuerregimes darlegt.

Der Grund liegt in der Erwärmung. Die Arktis heizt sich deutlich schneller auf als der globale Durchschnitt, etwa um das Mehrfache. Wärmere, trockenere Sommer und schneearme Winter lassen Vegetation und Böden austrocknen, und plötzlich gibt es Brennstoff, wo lange keiner war.

Warum brennender Torf so gefährlich ist

Besonders heikel ist es, wenn nicht nur die Pflanzen an der Oberfläche brennen, sondern der Torf im Boden. In den arktischen Böden steckt über Jahrtausende angesammelter Kohlenstoff. Fängt dieser Torf Feuer, kann er tief und lange schwelen, teils sogar unter einer Schneedecke überdauern und im nächsten Frühjahr wieder aufflammen.

Solche Böden setzen beim Brennen große Mengen Treibhausgase frei. Das ist der eigentlich beunruhigende Punkt: Die Erwärmung begünstigt die Brände, und die Brände setzen zusätzliches Kohlendioxid frei, das die Erwärmung weiter anheizt. Fachleute sprechen von einer Rückkopplung, einem sich selbst verstärkenden Kreislauf.

Ein Warnsignal

Ob die grönländischen Feuer von Blitzen oder von Menschen ausgelöst wurden, ist dabei weniger entscheidend als die Bedingungen, die sie überhaupt möglich machen. Diese Bedingungen, Wärme und Trockenheit in einer eigentlich kühlen Region, treten immer häufiger auf.

Die Juni-Brände in Grönland sind deshalb weniger eine Katastrophe für sich als ein Signal: Die Arktis, lange ein stabiler, kalter Speicher, wird zu einem Ort, an dem selbst die Tundra Feuer fängt. Was dort geschieht, bleibt nicht dort, sondern wirkt über den Kohlenstoffkreislauf auf das Klima der ganzen Erde zurück.