In Sachsen-Anhalt wird am 6. September 2026 ein neuer Landtag gewählt, und die Ausgangslage ist bemerkenswert. In den Umfragen liegt die AfD mit rund 41 Prozent klar vorn, wie die Umfragen-Übersicht von Wahlrecht.de zeigt. Das ist mehr als doppelt so viel wie ihr Ergebnis von 2021 (20,8 Prozent).

Die Kräfteverhältnisse

Aktuell regiert eine von der CDU geführte Koalition. Ministerpräsident ist seit Anfang des Jahres Sven Schulze, der auf den langjährigen Amtsinhaber Reiner Haseloff folgte. Die CDU kommt in Umfragen auf gut 20 Prozent, deutlich hinter der AfD, gefolgt von Linken, SPD und weiteren Parteien.

AfD-Spitzenkandidat ist Ulrich Siegmund. In der direkten Frage, wen die Befragten als Ministerpräsident bevorzugen, liegt der CDU-Politiker Schulze allerdings vor Siegmund, ein Hinweis darauf, dass ein starkes Umfrageergebnis nicht automatisch ins höchste Landesamt führt.

Was die AfD ändern will

Analysen der Programmatik zeichnen das Bild einer Partei, die in mehreren Feldern umsteuern will. Genannt werden unter anderem Eingriffe in die Bildungs- und Kulturpolitik, ein Umbau der Landesverwaltung und ein härterer Kurs in Fragen von Migration und innerer Sicherheit, wie das Handelsblatt in seiner Analyse darstellt.

Ein wiederkehrender Punkt ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk: Eine Kündigung entsprechender Staatsverträge könnte den Mitteldeutschen Rundfunk unter Druck setzen. Vieles davon wäre jedoch rechtlich und praktisch umstritten, und manches, etwa das Asylrecht, wird ohnehin auf Bundesebene entschieden, nicht im Land.

Die Hürde heißt Mehrheit

Selbst ein Wahlsieg bedeutet nicht automatisch eine Regierung. Um zu regieren, braucht es eine Mehrheit im Landtag, und die anderen Parteien haben eine Zusammenarbeit mit der AfD bislang ausgeschlossen. Diese „Brandmauer" gilt vor allem für die CDU, die zugleich auch eine Koalition mit der Linken ablehnt.

Daraus ergeben sich schwierige Rechenspiele. Denkbar sind je nach Ergebnis eine von der CDU geführte Minderheitsregierung, geduldet von anderen Parteien, oder komplizierte Bündnisse. Eine AfD-Alleinregierung wäre rechnerisch nur bei einer absoluten Mehrheit möglich, die die Umfragen derzeit nicht hergeben.

Warum die Wahl über das Land hinaus zählt

Die Abstimmung in Sachsen-Anhalt wird bundesweit als Stimmungstest gelesen. Schneidet die AfD so stark ab wie erwartet, verschärft das die Debatte über den Umgang der anderen Parteien mit ihr, über Koalitionen, Tolerierung und die Grenzen der Brandmauer.

Zugleich zeigt der Blick auf die Details, wie viel zwischen Umfragehoch und tatsächlicher Macht liegt. Am Ende entscheidet nicht nur das Ergebnis der AfD, sondern vor allem, ob und wie sich die übrigen Parteien auf eine Mehrheit verständigen können. Bis zum 6. September bleibt das die offene, entscheidende Frage.