Bei Volkswagen steht ein Tag der Entscheidung bevor. An diesem Donnerstag berät der Aufsichtsrat des Konzerns über ein weitreichendes Sparprogramm, das die Zukunft des Unternehmens und die vieler Beschäftigter bestimmen wird, wie ad-hoc-news berichtet.
Bis zu 100.000 Jobs in Gefahr
Im Kern geht es um einen drastischen Umbau. Nach den vorliegenden Plänen könnten bis zu 100.000 Arbeitsplätze wegfallen, das entspräche rund 15 Prozent der etwa 657.000 Beschäftigten des Konzerns. Zudem stehen mehrere deutsche Standorte zur Debatte: Berichten zufolge könnten bis zu vier Werke, genannt werden Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm, mittelfristig vor dem Aus stehen.
Für die betroffenen Regionen wäre das ein tiefer Einschnitt. Volkswagen ist an vielen seiner Standorte nicht nur größter Arbeitgeber, sondern Herz einer ganzen regionalen Wirtschaft aus Zulieferern und Dienstleistern.
Warum der Konzern spart
Hinter dem harten Kurs steht eine anhaltende Krise der Autobranche. Volkswagen hat über Jahre Fertigungskapazitäten aufgebaut, die deutlich über dem liegen, was sich derzeit absetzen lässt. Hinzu kommen die Schwäche auf dem wichtigen chinesischen Markt, der teure Umstieg auf die Elektromobilität und der wachsende Druck durch neue Wettbewerber.
Das Management um Konzernchef Oliver Blume will mit dem Sparprogramm gegensteuern und die Kosten senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Aus Sicht des Vorstands ist der Umbau überlebenswichtig.
Widerstand von Betriebsrat und Politik
Gegen die Pläne formiert sich massiver Widerstand. Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall lehnen Werksschließungen und einen Abbau in dieser Größenordnung ab; an mehreren Standorten gab es bereits Proteste. Auch das Land Niedersachsen, das über das VW-Gesetz besondere Mitspracherechte hat, dürfte sich querstellen.
Nach Recherchen von Correctiv ist der Vorstand offenbar entschlossen, das Paket notfalls auch gegen ein Nein des Aufsichtsrats durchzusetzen, etwa über eine außerordentliche Hauptversammlung, wie das Recherchezentrum berichtet. Das würde den Konflikt weiter verschärfen.
Ein Kräftemessen mit Signalwirkung
Die Sitzung ist damit mehr als eine Routineentscheidung. Sie ist ein Kräftemessen zwischen Management, Arbeitnehmern und Politik über die Frage, wie viel sozialer Ausgleich beim Umbau eines Industriegiganten möglich ist.
Wie das Treffen ausgeht, war im Vorfeld offen. Klar ist nur: Der Ausgang wird weit über Wolfsburg hinaus als Signal gelesen, wie es um die deutsche Autoindustrie und ihre Beschäftigten bestellt ist. Für Zehntausende Familien hängt viel davon ab.



