Für die deutsche Rüstungsindustrie ist es ein Auftrag der Superlative: Kanada hat sich entschieden, seine neue U-Boot-Flotte in Deutschland bauen zu lassen. Die Kieler Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) soll bis zu zwölf Boote liefern, wie Euronews berichtet. Für das Unternehmen ist es der größte Auftrag seiner Geschichte.

Zwölf Boote vom Typ 212CD

Bestellt werden U-Boote des Typs 212CD, einer modernen, besonders leise operierenden Klasse. Verkündet wurde die Entscheidung vom kanadischen Premierminister Mark Carney. Zunächst ist von einer Bestellung die Rede, die auf bis zu zwölf Einheiten anwachsen kann.

Gebaut werden sollen die Boote nach den Berichten sowohl in Kiel als auch am Standort Wismar. Dort könnten bis zu 1.500 neue Arbeitsplätze entstehen, wie ingenieur.de schreibt. Die Auslieferung des ersten Bootes ist bis zum Jahr 2033 geplant.

Ein Auftrag, dessen Wert in die Zehner-Milliarden geht

Die Zahlen sind gewaltig. Für Bau und Service könnte sich der Auftrag auf rund 20 Milliarden Euro summieren. Rechnet man Wartung und Betrieb über die kommenden Jahrzehnte hinzu, steht ein Gesamtvolumen von etwa 100 Milliarden kanadischen Dollar im Raum, umgerechnet rund 62 Milliarden Euro, wie die Berliner Zeitung berichtet.

Solche Summen erklären sich weniger aus dem reinen Bau als aus den langfristigen Verpflichtungen: Ein U-Boot muss über seine gesamte Lebensdauer gewartet, modernisiert und mit Ersatzteilen versorgt werden. Genau diese Bindung über Jahrzehnte macht den Auftrag für die Werft so wertvoll.

Sieg über die Konkurrenz aus Südkorea

TKMS setzte sich in dem Wettbewerb gegen den südkoreanischen Anbieter Hanwha Ocean durch. Für die deutsche Seite ist das ein doppelter Erfolg: Der Auftrag bringt nicht nur Arbeit und Umsatz, sondern bestätigt auch die technologische Konkurrenzfähigkeit des deutschen U-Boot-Baus auf dem Weltmarkt.

Eingefädelt wurde das Geschäft mit deutlicher Rückendeckung der Bundesregierung, die den Abschluss als Beleg für eine engere sicherheitspolitische Zusammenarbeit innerhalb der NATO wertet.

Rüstung als Hoffnungsträger

Der Zuschlag fällt in eine Zeit, in der Verteidigungsausgaben in Europa kräftig steigen und die Rüstungsbranche zu einem Wachstumsfeld geworden ist. Für die Werften an der Ostsee bedeutet der Auftrag Planungssicherheit über viele Jahre.

Zugleich zeigt der Deal, wie sehr sich die politische Bewertung von Rüstungsexporten gewandelt hat. Was früher zurückhaltend gehandhabt wurde, gilt heute als strategisches Instrument, um Partnerschaften zu festigen. Ob und wann die Bestellung tatsächlich auf die volle Zahl von zwölf Booten aufwächst, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.