Der brüchige Waffenstillstand im Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist erneut ins Rutschen geraten. Das US-Militär hat nach eigenen Angaben eine Reihe von Angriffen auf Ziele im Süden des Iran geflogen, nachdem in der Straße von Hormus mehrere Handelsschiffe beschossen worden waren. Teheran wirft Washington einen Bruch der getroffenen Absprachen vor und kündigt Gegenmaßnahmen an.

Angriffe auf Schiffe als Auslöser

Ausgangspunkt der Eskalation waren Angriffe auf mehrere zivile Schiffe in der strategisch wichtigen Meerenge am Golf, durch die ein großer Teil des weltweiten Öls verschifft wird. Betroffen waren nach Angaben aus der Region Handelsschiffe unter anderem aus Katar und Saudi-Arabien. Washington machte den Iran für die Angriffe verantwortlich und sprach von einem nicht hinnehmbaren Vorgehen, wie CBS News berichtet.

Was getroffen wurde

Als Reaktion griff das US-Militär nach eigenen Angaben Ziele im Süden des Iran an. Das US-Zentralkommando sprach von einer Serie kraftvoller Schläge. Iranische Medien meldeten Explosionen in der Hafenstadt Bandar Abbas, auf der vorgelagerten Insel Qeschm sowie in der Ortschaft Sirik. Al Jazeera zählte nach iranischen Angaben mehrere Detonationen: sechs auf Qeschm und sieben in Sirik, dazu weitere bei Bandar Abbas, wie der Sender berichtet.

Nach US-Darstellung zielten die Angriffe auf militärische Infrastruktur an der Küste: Luftabwehrsysteme, Anlagen zur Küstenüberwachung, Boden-Luft-Raketen, Anti-Schiffs-Raketen sowie Startplätze für Drohnen. Angaben zu Opfern machten die USA nicht. Zu möglichen Verletzten im Umfeld der getroffenen Anlagen lagen zunächst keine gesicherten Zahlen vor.

Teheran droht mit Vergeltung

Das iranische Außenministerium warf den USA vor, eine getroffene Vereinbarung mehrfach verletzt zu haben, und drohte mit einer Reaktion auf die Angriffe, wie RTÉ berichtet. Teheran erklärte zudem, nur die von iranischer Seite vorgegebene Route durch die Meerenge sei sicher.

Im Umfeld der iranischen Streitkräfte wurde nach den Angriffen von eigenen Gegenschlägen gesprochen. Unabhängig bestätigen ließen sich solche Behauptungen zunächst nicht; entsprechende Angaben sind mit Vorsicht zu behandeln.

Ein Konflikt in der Dauerschleife

Die Angriffe reihen sich in eine Eskalation ein, die den Nahen Osten seit Monaten in Atem hält. Erst vor wenigen Tagen hatten die USA nach den Vorfällen in der Straße von Hormus ihre zuvor gelockerten Sanktionen gegen iranisches Öl wieder in Kraft gesetzt. Die jüngsten Militärschläge markieren nun eine weitere Stufe.

Wie es weitergeht, ist offen. Die schnelle Abfolge von Annäherung, Sanktionen und Militärschlägen zeigt vor allem, wie labil die Lage bleibt: Kaum öffnet sich ein Fenster für Verhandlungen, schlagen die Ereignisse in die Gegenrichtung um. Für die Weltwirtschaft ist die Meerenge dabei ein neuralgischer Punkt, an dem sich Geopolitik unmittelbar in Ölpreise und Handelswege übersetzt.