Deutschland gibt so viel für seine Verteidigung aus wie nie zuvor in der jüngeren Geschichte. Pünktlich zum Beginn des Nato-Gipfels in der türkischen Hauptstadt Ankara meldet die Bundesregierung dem Bündnis einen Rekordbetrag.
Fast 125 Milliarden Euro
Für das Jahr 2026 weist Deutschland Verteidigungsausgaben von 124,7 Milliarden Euro aus, wie das Handelsblatt berichtet. Das ist ein Anstieg um rund 25,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gemessen an der Wirtschaftsleistung entspricht das nach Nato-Berechnungen 2,69 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, nach 2,22 Prozent im Jahr zuvor.
Im internationalen Vergleich rückt Deutschland damit weit nach vorn. Nach Angaben des Instituts IISS liegt die Bundesrepublik bei den Verteidigungsausgaben weltweit auf Rang vier, innerhalb der Nato geben nur die USA mehr aus.
Das Fünf-Prozent-Ziel im Hintergrund
Der Sprung nach oben ist kein Zufall, sondern folgt einer Vorgabe des Bündnisses. Die Nato-Staaten hatten sich darauf verständigt, ihre Ausgaben bis 2035 auf fünf Prozent der Wirtschaftsleistung zu erhöhen. Diese Marke setzt sich zusammen aus 3,5 Prozent für unmittelbare Verteidigung und weiteren 1,5 Prozent für verteidigungsnahe Bereiche wie Infrastruktur und Cyberabwehr.
Deutschland ist von diesem Ziel noch ein gutes Stück entfernt, bewegt sich mit dem neuen Rekordwert aber klar in diese Richtung. Beim Gipfel in Ankara dürfte die Frage im Mittelpunkt stehen, wie schnell die einzelnen Länder vorankommen.
Zwei Treiber: Trump und Russland
Hinter den steigenden Ausgaben stehen vor allem zwei Kräfte. Zum einen der anhaltende Druck aus Washington: US-Präsident Donald Trump verlangt seit Langem eine gerechtere Lastenteilung und höhere Beiträge der europäischen Partner. Zum anderen die Bedrohungslage durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, der die Sicherheitslage in Europa grundlegend verändert hat.
Für die Bundesregierung ist die Botschaft klar: Deutschland will als größte europäische Volkswirtschaft mehr Verantwortung im Bündnis übernehmen und zugleich die eigene, über Jahre vernachlässigte Bundeswehr modernisieren.
Geld allein genügt nicht
So beeindruckend die Zahl ist, sie ist nur die eine Seite. Entscheidend wird sein, ob die Milliarden auch in einsatzbereite Fähigkeiten münden, in Personal, Munition, Ausrüstung und funktionierende Beschaffung. Kritiker mahnen seit Langem, dass hohe Etats nicht automatisch zu mehr Sicherheit führen.
Die Rekordsumme markiert damit weniger einen Endpunkt als einen Zwischenstand: Der Umbau der Bundeswehr hat gerade erst Fahrt aufgenommen, und die Erwartungen der Verbündeten sind hoch.



