Während viele Industriezweige in Deutschland schwächeln, kennt eine Branche derzeit nur eine Richtung: nach oben. Der Waffenhersteller Heckler & Koch aus dem baden-württembergischen Oberndorf hat einen Großauftrag an Land gezogen, wie es ihn in der Firmengeschichte noch nicht gab.
Eine Viertelmillion Gewehre
Die Bundeswehr ruft ihren Rahmenvertrag für das neue Standardsturmgewehr vollständig ab: 250.000 Waffen der Typen G95A1 und G95KA1, wie der Branchendienst hartpunkt berichtet. Das dafür bereitgestellte Volumen liegt bei mehr als 800 Millionen Euro. Nach Darstellung mehrerer Medien ist es der größte Auftrag, den das Unternehmen je erhalten hat.
Das G95 löst das langjährige Standardgewehr G36 ab und basiert auf der bewährten Baureihe HK416. Die ersten Waffen sind bereits im Dezember 2025 an die Truppe ausgeliefert worden.
Volle Auftragsbücher
Der Abruf fügt sich in eine ohnehin glänzende Bilanz. Der Auftragseingang von Heckler & Koch lag 2025 bei rund 802 Millionen Euro, fast doppelt so hoch wie im Jahr zuvor mit gut 426 Millionen Euro, wie der Schwarzwälder Bote berichtet. Um die Nachfrage zu bewältigen, baut das Unternehmen seine Kapazitäten aus und investiert Medienberichten zufolge rund 85 Millionen Euro in den Stammsitz in Oberndorf.
Zeitenwende befeuert das Geschäft
Der Boom hat einen klaren Hintergrund: Seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine erhöhen viele Staaten in Europa ihre Verteidigungsausgaben deutlich. Davon profitieren die Rüstungshersteller unmittelbar, auch die vergleichsweise kleine Traditionsfirma aus dem Schwarzwald.
Für Heckler & Koch bedeutet der Auftrag Planungssicherheit und Beschäftigung für Jahre. Zugleich verweist er auf eine Debatte, die den Aufschwung begleitet: Wie viel eine Gesellschaft in Waffen investieren will und soll, bleibt umstritten. Für das Unternehmen selbst aber ist die Lage eindeutig, die Bücher sind so voll wie nie.



