Bei Volkswagen bahnt sich der nächste große Konflikt zwischen Konzernführung und Belegschaft an. Weil der Vorstand seinen Sparkurs offenbar noch einmal verschärfen will, macht die IG Metall mobil, und zwar an vielen Standorten gleichzeitig.

Protest zur Aufsichtsratssitzung

Für Donnerstag ruft die Gewerkschaft zu einem bundesweiten Protesttag auf, wie das Handelsblatt berichtet. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Am selben Tag berät der Aufsichtsrat über die weitere Ausrichtung des Konzerns.

Geplant sind Aktionen an zahlreichen Standorten. In Wolfsburg soll es eine Kundgebung am Vorstandshochhaus geben, vor den Werktoren in Emden, Zwickau, Hannover und Kassel sind weitere Kundgebungen angesetzt. Am Standort Neckarsulm ist eine Aktion vor dem Werkstor geplant, bei Porsche in Stuttgart ein Autokorso und bei Audi in Ingolstadt ein Flashmob. Auch an MAN-Standorten und bei der Softwaretochter Cariad sind Aktionen vorgesehen.

Worum es geht

Hinter dem Protest steht die Sorge vor einem drastischen Stellenabbau. Nach den vorliegenden Informationen könnten konzernweit bis zu 100.000 Stellen wegfallen. Vier deutschen Werken, Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm, droht demnach die Schließung, die Fahrzeugproduktion könnte dort bis Ende 2034 auslaufen.

Bereits Ende 2024 hatte VW den Abbau von rund 50.000 Stellen bis 2030 vereinbart, 37.000 Beschäftigte haben inzwischen entsprechende Vereinbarungen unterschrieben. Doch diese Maßnahmen reichen der Konzernspitze angesichts, wie es heißt, sich verschärfender Rahmenbedingungen offenbar nicht mehr aus. Vorstandschef Oliver Blume arbeitet an einem neuen „Zielbild 2030".

Klare Kampfansage

Die Gewerkschaft reagiert mit deutlichen Worten. Es gehe um „ein klares Signal an den Vorstand: Nicht mit uns!", erklärte die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner. Bei der Hauptkundgebung in Wolfsburg soll auch die VW-Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo sprechen, wie der Tagesspiegel berichtet.

Ein Kräftemessen mit Ansage

Der Protesttag ist ein Testfall für das Verhältnis zwischen Management und Arbeitnehmerseite bei Europas größtem Autobauer. Volkswagen steckt tief im Umbruch: sinkende Absätze auf wichtigen Märkten, teure Investitionen in die Elektromobilität und wachsende Konkurrenz aus China setzen den Konzern unter Druck.

Für die Beschäftigten steht viel auf dem Spiel, denn an den bedrohten Standorten hängen ganze Regionen an den Arbeitsplätzen. Am Donnerstag wird sich zeigen, wie geschlossen die Belegschaft dem verschärften Sparkurs entgegentritt, und wie viel Verhandlungsspielraum am Ende bleibt.