Wer aus einem Nicht-EU-Land nach Deutschland fliegt, hinterlässt eine Datenspur, die automatisch mit Fahndungsdateien abgeglichen wird. Wie umfangreich dieser Abgleich ist, zeigen neue Zahlen, und sie werfen erneut die Frage auf, ob der Aufwand den Nutzen rechtfertigt.
Fast 628 Millionen Datensätze
Im Jahr 2025 verarbeiteten deutsche Behörden exakt 627.904.616 Fluggastdatensätze, sogenannte Passenger Name Records (PNR). Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor. Ein Jahr zuvor waren es rund 548 Millionen. Betroffen waren etwa 177 Millionen Reisende, nach rund 153 Millionen im Vorjahr.
Erfasst werden dabei Informationen wie Name, Reisedaten, Buchungsweg und Mitreisende. Eine zentrale Stelle gleicht diese Daten automatisiert mit Datenbanken und Risikomustern ab, um mögliche Gefährder oder gesuchte Personen zu erkennen.
Viele Treffer, kaum echte Fälle
Die Bilanz dieses Massenabgleichs fällt ernüchternd aus. Von den fast 628 Millionen Datensätzen führten 242.427 zu technischen Treffern in Datenbanken sowie 4615 zu Muster-Treffern. Nach manueller Prüfung durch Fachleute blieben davon 100.406 Vorgänge als tatsächlich relevant übrig.
Am Ende der Kette stehen 1556 Festnahmen, darunter 982 direkt bei der Einreise. Gemessen an der gewaltigen Zahl durchleuchteter Datensätze ist das eine winzige Quote. Die Trefferquote blieb, wie schon in den Vorjahren, sehr gering, im Verhältnis zur verarbeiteten Datenmenge bewegt sie sich im Promillebereich.
Der alte Streit um die Verhältnismäßigkeit
Genau an dieser Diskrepanz entzündet sich seit Jahren Kritik. Bürgerrechts- und Datenschutzorganisationen halten die anlasslose Rasterung von Millionen unbescholtener Reisender für einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Grundrechte. Die zugrunde liegende EU-Richtlinie zur Speicherung von Fluggastdaten war wiederholt Gegenstand von Klagen und Gerichtsverfahren.
Befürworter halten dagegen, schon einzelne verhinderte Straftaten oder gefasste Gesuchte könnten den Aufwand rechtfertigen. Die neuen Zahlen dürften den Streit befeuern: Kritiker lesen aus ihnen vor allem, dass ganz überwiegend Harmlose erfasst werden, während der konkrete Sicherheitsgewinn schwer zu beziffern bleibt.
Ein System, das weiter wächst
Auffällig ist der klare Aufwärtstrend: Sowohl die Zahl der Datensätze als auch die der betroffenen Passagiere ist gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen. Mit dem wachsenden Flugverkehr dürfte auch die Datenmenge weiter zunehmen. Die Debatte darüber, wie viel Überwachung ein Rechtsstaat im Namen der Sicherheit zulassen sollte, ist damit alles andere als beendet.



