Der Wunsch nach einem Kind, der sich nicht erfüllt: Für immer mehr Menschen weltweit ist das Realität. Eine große internationale Studie zeigt, dass Unfruchtbarkeit deutlich zunimmt, und benennt eine Hauptursache, die weniger mit Biologie als mit Gesellschaft zu tun hat.
Millionen betroffene Frauen
Im Jahr 2023 waren schätzungsweise rund 54 Millionen Frauen im Alter zwischen 35 und 49 Jahren von Unfruchtbarkeit betroffen. Bis zum Jahr 2036 könnte diese Zahl auf etwa 80 Millionen steigen, wie ein überwiegend chinesisches Forschungsteam im Fachjournal „The Lancet Obstetrics, Gynaecology, & Women's Health" berechnet hat.
Insgesamt haben weltweit etwa acht bis zwölf Prozent der Paare Probleme, auf natürlichem Weg ein Kind zu bekommen. Damit ist ungewollte Kinderlosigkeit kein Randphänomen, sondern betrifft einen erheblichen Teil der Bevölkerung im fortpflanzungsfähigen Alter.
Der Grund: Kinder kommen später
Die entscheidende Ursache sehen die Forschenden nicht in einer plötzlichen biologischen Veränderung, sondern in einem Wandel der Lebensläufe. Viele Frauen bekommen heute erst in deutlich höherem Alter Kinder als früher, wie t-online berichtet. Und mit steigendem Alter sinkt die Fruchtbarkeit, oft klappt es dann nicht mehr mit der erhofften Schwangerschaft.
Auffällig ist ein geografisches Muster: Besonders in wohlhabenderen Ländern ist Unfruchtbarkeit verbreitet. Dort verschieben Frauen die Familiengründung im Schnitt weiter nach hinten, oft zugunsten von Ausbildung, Beruf und finanzieller Sicherheit. In ärmeren Ländern werden Kinder häufiger früher geboren, was das Problem der altersbedingten Unfruchtbarkeit abmildert.
Was helfen könnte
Die Studie versteht ihre Zahlen auch als Auftrag an die Politik. Ein zentraler Hebel ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Wer sich früher für Kinder entscheiden kann, ohne berufliche Nachteile zu fürchten, gerät seltener in die biologische Zeitfalle. Verlässliche und bezahlbare Kinderbetreuung gilt den Fachleuten deshalb als eine der wirksamsten Maßnahmen.
Am Ende verweist die Untersuchung auf ein Dilemma moderner Gesellschaften: Die größere Freiheit bei der Lebensplanung ist ein Fortschritt, doch sie stößt an die unveränderten Grenzen der Biologie. Wer beides zusammenbringen will, muss die Rahmenbedingungen ändern, nicht die Wünsche der Menschen.



