Für die deutsche Rüstungsindustrie ist es ein historischer Tag: Kanada hat sich beim Kauf neuer U-Boote für den Kieler Hersteller thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) entschieden. Es ist der größte Auftrag, den das Unternehmen je erhalten hat.

Ein Dutzend Boote der Klasse 212CD

Bestellt werden zwölf U-Boote der Klasse 212CD, wie der Tagesspiegel berichtet. Offizielle Zahlen zum Preis nannten weder Kanada noch TKMS. Berichten zufolge belaufen sich die Kosten für die Boote samt Dienstleistungen aber auf rund 20 Milliarden Euro. Rechnet man Wartung und Betrieb über die gesamte Lebensdauer hinzu, geht es um ein Finanzvolumen von etwa 100 Milliarden kanadischen Dollar, umgerechnet rund 62 Milliarden Euro.

Die 212CD ist eine gemeinsame Entwicklung von Deutschland und Norwegen. Die ersten Boote sollen spätestens 2035 geliefert werden, möglicherweise auch früher.

Arbeit für Kiel und Wismar

Für die deutschen Werften bedeutet der Auftrag volle Bücher auf Jahre hinaus. Gefertigt wird an den Standorten Kiel, dem Stammsitz von TKMS, und in Wismar. Allein dort sollen bis zu 1500 neue Arbeitsplätze entstehen. Insgesamt beschäftigt TKMS heute über 9100 Menschen.

Durchgesetzt hat sich das Unternehmen in einem harten internationalen Wettbewerb, vor allem gegen den südkoreanischen Anbieter Hanwha Ocean. TKMS-Chef Oliver Burkhard hatte sich schon vorab zuversichtlich gezeigt: „Ich gehe davon aus, dass wir das gewinnen", sagte er im Vorfeld.

Ein strategisches Signal

Der Auftrag ist mehr als ein Geschäft, er ist ein sicherheitspolitisches Signal. Verteidigungsminister Boris Pistorius betonte die strategische Dimension der Partnerschaft mit Kanada. „Wir wollen Seite an Seite für Sicherheit sorgen im Nordatlantik, dem hohen Norden und ja auch der Arktis", sagte er. Es gehe um „eine strategische Partnerschaft mit Kanada".

Gerade die 212CD gilt als geeignet für Einsätze in nördlichen und arktischen Gewässern, einer Region, deren militärische Bedeutung angesichts wachsender Spannungen zunimmt. Für den Standort Deutschland festigt der Deal die Rolle als einer der führenden Marineschiffbauer des westlichen Bündnisses, und er zeigt, dass die stark gestiegene Nachfrage nach Rüstungsgütern auch der heimischen Industrie kräftige Aufträge beschert.