Wer an Stromspeicher denkt, hat meist riesige Batteriehallen vor Augen. In den USA aber entstehen solche Speicher gerade an einem ganz alltäglichen Ort: auf dem Schulbusparkplatz. Die Idee dahinter ist bestechend einfach.

Große Batterien, lange Standzeiten

Elektrische Schulbusse haben große Batterien, und sie stehen die meiste Zeit still: nachmittags nach der Schule, nachts, am Wochenende und vor allem über die langen Sommerferien. Diese ungenutzte Kapazität lässt sich anzapfen. Über sogenannte bidirektionale Ladestationen können die Busse nicht nur Strom laden, sondern ihn auch wieder ins Netz zurückspeisen, wie heise online berichtet.

Fachleute nennen das Prinzip Vehicle-to-Grid, kurz V2G. Der Bus wird so zum mobilen Zwischenspeicher, der überschüssigen Strom aufnimmt und ihn dann abgibt, wenn das Netz ihn braucht, etwa an heißen Sommertagen, wenn unzählige Klimaanlagen laufen.

Erste Programme, echte Zahlen

Noch ist das ein Nischenphänomen, aber ein wachsendes. Nach Angaben des World Resources Institute (WRI), das die Elektrifizierung von Schulbussen in den USA begleitet, beteiligen sich bereits mehrere Hundert Busse in zahlreichen Bundesstaaten an solchen Projekten, unterstützt von Dutzenden Energieversorgern.

Besonders anschaulich zeigt sich der Nutzen im Sommer. Während der Ferien stehen ganze Flotten ungenutzt auf dem Hof, ausgerechnet in der Zeit, in der die Netze unter der Last der Kühlung ächzen. Statt nutzlos zu parken, können die Busse dann als verteilte Reserve einspringen. Größere Versorger planen bereits, Hunderte oder gar über tausend Busse mit der nötigen Ladetechnik auszurüsten.

Ein Vorbild für die Energiewende

Der Reiz des Konzepts liegt darin, dass es ein Kernproblem der erneuerbaren Energien angeht: die Speicherung. Sonne und Wind liefern unregelmäßig, das Netz braucht Puffer. Tausende ohnehin vorhandener Fahrzeugbatterien, klug koordiniert, könnten einen Teil dieser Aufgabe übernehmen, dezentral und dort, wo sie ohnehin stehen.

Ausgereift ist die Technik noch nicht. Offen sind Fragen nach einheitlichen Standards, nach dem Verschleiß der Batterien und nach tragfähigen Geschäftsmodellen. Auch ist bislang nur ein Bruchteil der US-Schulbusse überhaupt elektrisch. Doch die Beispiele zeigen: Aus dem simplen gelben Schulbus kann ein Baustein der modernen Stromversorgung werden. Ein Gedanke, der sich auch auf andere Fahrzeugflotten übertragen ließe, von Lieferwagen bis zu Linienbussen.