Er galt als Wunderheiler und als Betrüger, oft beides zugleich: Franz Anton Mesmer, geboren 1734 am Bodensee, gestorben 1815, war eine der schillerndsten Gestalten der Medizingeschichte. Seine Lehre vom „animalischen Magnetismus" begeisterte das Europa der Aufklärung, und sie hinterließ ein überraschendes Erbe.

Eine Kraft, die alles heilen sollte

Mesmer war überzeugt, eine unsichtbare Kraft entdeckt zu haben, die durch alle Körper fließe, ähnlich einer Flüssigkeit. Gerate dieser Strom aus dem Gleichgewicht, entstehe Krankheit. Besonders begabte Menschen, so seine Idee, könnten die Kraft durch Blicke, Gesten und Berührungen auf andere übertragen und so das Gleichgewicht wiederherstellen, wie Spektrum der Wissenschaft schildert.

1777 zog Mesmer nach Paris, ins Zentrum der Aufklärung, und wurde rasch zur Sensation. Die Stadt lag ihm zu Füßen.

Theater der Genesung

Seine Behandlungen waren ein Schauspiel. Im Mittelpunkt stand das „Baquet", ein großer Zuber mit Wasser, Eisenstäben und angeblich magnetisiertem Inhalt. Die Patienten saßen im Kreis darum, gaben sich die Hände, um die Kraft weiterzuleiten. Begleitet von gedämpfter Musik berührte Mesmer sie, bis sie zu zittern und zu krampfen begannen. Diese „Krise" galt ihm als heilsamer Höhepunkt, in dem sich der Körper selbst reinige.

Das Urteil der Aufklärer

1784 setzte König Ludwig XVI. Untersuchungskommissionen ein, eine davon unter dem berühmten Benjamin Franklin und dem Chemiker Antoine Lavoisier. Sie gingen erstaunlich modern vor: Patienten wussten nicht, ob ein Objekt oder ein Baum „magnetisiert" war oder nicht. Das Ergebnis war eindeutig. Die Menschen reagierten dann, wenn sie eine Wirkung erwarteten, nicht dann, wenn tatsächlich „magnetisiert" worden war.

Das Fazit der Kommission: Für eine magnetische Flüssigkeit gebe es keinerlei Beweis, die beobachteten Wirkungen entstünden allein durch die Einbildung. Es war eine der frühesten kontrollierten Untersuchungen der Wissenschaftsgeschichte, und sie zeigte zugleich, dass die Macht der Erwartung, was wir heute Placebo-Effekt nennen, sehr real ist.

Ein Wort bleibt

Mesmer verließ Paris enttäuscht und starb Jahre später am Bodensee. Doch seine Schüler entwickelten seine Beobachtungen weiter. Einer von ihnen erkannte, dass für die Heilung nicht die dramatische „Krise" nötig war, sondern ein ruhiger Trancezustand. Aus dieser Spur wurde später die Hypnose, deren Namen der Arzt James Braid 1843 prägte.

So irrte Mesmer in der Sache und traf doch einen wahren Kern: dass Geist und Erwartung auf den Körper wirken. Sein Name lebt bis heute im englischen Wort „to mesmerize" fort, für gebannte Faszination, die stärker ist als jedes Argument.