Gedanken lesen, ohne den Schädel zu öffnen: Was nach Science-Fiction klingt, hat ein Forschungsteam von Meta einen Schritt vorangebracht. Ein System namens Brain2Qwerty rekonstruiert getippte Sätze allein aus der gemessenen Hirnaktivität.
Messen statt operieren
Das Besondere ist der Verzicht auf eine Operation. Statt Elektroden ins Gehirn zu implantieren, zeichnen die Forscher die Hirnaktivität von außen auf, vor allem per Magnetoenzephalografie (MEG), die die winzigen Magnetfelder aktiver Nervenzellen misst. Ergänzend kommt die bekanntere Elektroenzephalografie (EEG) zum Einsatz. Die besten Ergebnisse liefert laut heise online die MEG-Messung.
Beachtliche Trefferquote
Für die Studie tippten 35 gesunde Probanden zuvor gemerkte Sätze auf einer Tastatur, während ihre Hirnaktivität aufgezeichnet wurde. Aus diesen Signalen rekonstruierte das System im Schnitt 61 Prozent der Wörter korrekt, bei den besten Teilnehmern waren es bis zu 78 Prozent. In mehr als der Hälfte der Sätze schlich sich höchstens ein falsches Wort ein, wie Meta berichtet. Für eine nichtinvasive Methode sind das bemerkenswerte Werte.
Der Haken: Labor statt Wohnzimmer
So eindrucksvoll die Zahlen sind, für die Praxis taugt die Technik vorerst nicht. MEG-Geräte sind groß, teuer und benötigen magnetisch abgeschirmte Räume. Man muss regungslos darin sitzen; verlässt man das Gerät, funktioniert nichts mehr. Für Menschen, die etwa nach einer Lähmung nicht mehr sprechen können, ist Brain2Qwerty deshalb noch keine Hilfe im Alltag.
Damit daraus einmal ein nützliches Werkzeug wird, bräuchte es kleinere, günstigere Sensoren, die trotzdem ein sauberes Signal liefern. Diese Hürde ist noch nicht genommen.
Warum es dennoch zählt
Der Wert der Arbeit liegt weniger im unmittelbaren Nutzen als im Prinzip: Sie zeigt, dass nichtinvasive Verfahren nicht chancenlos gegen implantierte Elektroden sind, wie sie andere Firmen in der Hirnforschung einsetzen. Zugleich hilft die Forschung zu verstehen, wie das Gehirn Sprache in Bewegung übersetzt. Bis daraus Anwendungen für Patienten werden, ist es aber noch ein weiter Weg, und ein wenig Skepsis gegenüber allzu großen Versprechen bleibt angebracht.



