Ein warmer Abend, eine dunkle Hecke, und plötzlich schwebt ein grünliches Pünktchen durch die Luft, dann noch eines: Das Leuchten der Glühwürmchen gehört zu den stillsten und schönsten Erlebnissen des Hochsommers. Dahinter steckt Biologie, die selbst Ingenieure staunen lässt.

Käfer, keine Würmer

Trotz ihres Namens sind Glühwürmchen keine Würmer, sondern Käfer aus der Familie der Leuchtkäfer (Lampyridae). In Deutschland sind vor allem der Große Leuchtkäfer (Lampyris noctiluca) und das Kleine Glühwürmchen verbreitet. Ihre Larven leben mehrere Jahre am Boden und ernähren sich unter anderem von Schnecken, bevor die erwachsenen Tiere im Frühsommer für wenige Wochen erscheinen.

Kaltes Licht aus dem Hinterleib

Das Leuchten entsteht in einem speziellen Organ am hinteren Teil des Körpers. Dort reagiert der Stoff Luciferin unter Mithilfe des Enzyms Luciferase mit Sauerstoff – und setzt dabei Energie fast vollständig als Licht frei, kaum als Wärme. Dieses „kalte Licht" ist bemerkenswert effizient: Der kleine Käfer erzeugt Helligkeit mit einem Wirkungsgrad, von dem herkömmliche Lampen nur träumen können.

Leuchten als Liebesbotschaft

Der Sinn des Ganzen ist die Fortpflanzung. Beim Großen Leuchtkäfer sitzen die flugunfähigen Weibchen leuchtend im Gras, während die Männchen umherfliegen und nach den hellen Signalen suchen. Das Licht ist also eine Art Kontaktanzeige am Nachthimmel. Am besten zu beobachten sind die Tiere an warmen, windstillen Abenden zwischen etwa 22 Uhr und Mitternacht, an feuchten Wiesen, Waldrändern und Hecken.

Warum das Leuchten schwächer wird

Vielerorts ist es dunkler um die Glühwürmchen geworden – im übertragenen Sinn. Fachleute nennen vor allem drei Ursachen: Lichtverschmutzung, den Verlust geeigneter Lebensräume und den Einsatz von Pestiziden. Künstliches Licht ist dabei ein besonderes Problem: Wenn Straßenlaternen, Gärten und Fassaden die Nacht erhellen, gehen die zarten Leuchtsignale der Käfer unter, und die Männchen finden die Weibchen schlechter. Zugleich verschwinden mit intensiver Landnutzung und Versiegelung die feuchten, naturnahen Flächen, auf die die Larven angewiesen sind.

Was im eigenen Garten hilft

Die gute Nachricht: Jeder kann etwas tun. Weniger und gezieltere Beleuchtung hilft am meisten – etwa Bewegungsmelder statt Dauerlicht, warmweiße und nach unten abgeschirmte Lampen. Im Garten sind dichte Hecken, ein paar wilde, feuchte Ecken, Laub und Totholz wertvoll, ebenso der Verzicht auf Pestizide und Schneckenkorn. Wer der Nacht ein Stück Dunkelheit zurückgibt, erhöht die Chance, dass im nächsten Sommer wieder kleine Lichter durch den Garten schweben.