Steigt im Hochsommer das Thermometer, greift der Mensch zum Ventilator oder springt ins kühle Wasser. Tiere haben dafür keine Technik – dafür aber eine verblüffende Bandbreite an biologischen Tricks. Und fast alle beruhen auf demselben Grundprinzip.
Das Prinzip: Verdunstung entzieht Wärme
Wenn Flüssigkeit verdunstet, also von flüssig zu gasförmig übergeht, kostet das Energie – und diese Energie wird der Umgebung als Wärme entzogen. Weil Wasser eine hohe Verdunstungswärme hat, kühlen schon kleine verdunstende Mengen spürbar. Besonders wichtig wird das, wenn die Umgebung heißer ist als der Körper: Dann helfen Abstrahlung und Wind kaum noch, und die Verdunstung bleibt der wichtigste Kühlweg.
Warum Hunde hecheln
Hunde besitzen kaum Schweißdrüsen, die zur Temperaturregelung taugen. Statt zu schwitzen, hecheln sie: Durch schnelle, flache Atemzüge strömt Luft über die feuchten Schleimhäute von Zunge, Maul und Rachen. Dort verdunstet Speichel und entzieht dem gut durchbluteten Gewebe Wärme; das abgekühlte Blut trägt die Kühle ins Körperinnere. Katzen nutzen einen ähnlichen Weg und lecken zusätzlich ihr Fell an, damit dort Feuchtigkeit verdunstet.
Die Ohren des Elefanten als Kühler
Auch Elefanten können nicht schwitzen – dafür haben sie ein eindrucksvolles Werkzeug: ihre riesigen, von Blutgefäßen durchzogenen Ohren. Bei Hitze breiten sie diese aus und fächeln. Über die dünne, großflächige Haut gibt das durchströmende Blut Wärme an die Luft ab, das Ohr wirkt wie ein Radiator. Reicht das nicht, kommen Baden, Suhlen und Staubbäder hinzu: Verdunstendes Wasser aus Fell und Schlamm kühlt, eine Staubschicht schützt vor der Sonne.
Störche pinkeln sich kühl
Besonders kurios wirkt das Verhalten mancher Vögel. Störche, Geier und Pelikane richten flüssige Ausscheidungen gezielt auf ihre nackten, gut durchbluteten Beine. Fachleute nennen das Urohidrose. Die aufgetragene Flüssigkeit verdunstet und kühlt die Beine – eine bei langbeinigen Vögeln lange unterschätzte Kühlmethode. Andere Vögel kühlen sich durch schnelles Vibrieren der Kehle, das sogenannte Gularflattern, oder suchen, wie der NABU beschreibt, einfach Schatten und plustern das Gefieder auf.
Kängurus, Kamele und Wüstentiere
Kängurus lecken bei Hitze Speichel über Unterarme und Körper und nutzen so eine große Verdunstungsfläche. Kamele gehen einen anderen Weg: Sie lassen ihre Körpertemperatur über den Tag stark schwanken – laut natur.de etwa zwischen 34 Grad nachts und 42 Grad tagsüber – und sparen so kostbares Wasser. Viele Wüstentiere weichen der Hitze schlicht aus, indem sie nachtaktiv werden.
Was Haustierhalter beachten sollten
Haustiere können nur begrenzt selbst gegensteuern. Der Deutsche Tierschutzbund rät, stets frisches Wasser und schattige Rückzugsorte anzubieten, Spaziergänge auf die kühlen Morgen- und Abendstunden zu legen und Tiere niemals im geparkten Auto zurückzulassen – dort steigen die Temperaturen binnen Minuten lebensbedrohlich. Warnzeichen einer Überhitzung sind Unruhe, starkes Hecheln und ein schneller Herzschlag. Dann hilft nur, das Tier langsam abzukühlen und rasch tierärztlichen Rat einzuholen.



