Sie fließt durch Dresden, Magdeburg und Hamburg, trägt Frachtschiffe und prägt ganze Landschaften – doch wo fängt die Elbe eigentlich an? Die Antwort führt weit weg von den großen Städten, hinauf in die Berge eines Nachbarlands.

Eine Quelle im Riesengebirge

Die Elbe entspringt nicht in Deutschland, sondern in Tschechien, wo sie Labe heißt. Ihr Ursprung liegt hoch im Riesengebirge (Krkonoše), auf einer weiten Hochmoorwiese namens Labská louka in etwa 1.386 Metern Höhe. Dort sickert das Wasser aus dem Moor, ohne dass es einen einzelnen, klar sichtbaren Quelltopf gäbe.

Weil ein echtes Naturschauspiel fehlte, half man touristisch nach: Etwas unterhalb der eigentlichen Quellzone wurde die „Elbquelle" (Pramen Labe) gefasst und mit einer Steinmauer versehen, auf der die Wappen zahlreicher Städte prangen, die der Fluss auf seinem Weg berührt. Für Wanderer im Nationalpark Krkonoše ist der Ort ein beliebtes Ziel.

Vom Bach zum großen Strom

Aus dem Rinnsal auf der Hochwiese wird rasch mehr. Die junge Elbe stürzt in Wasserfällen und Kaskaden bergab, sammelt Zuflüsse und gewinnt an Kraft. Im böhmischen Tiefland ist sie längst ein richtiger Fluss, der weite Bögen zieht.

Nach Tschechien erreicht die Elbe Deutschland und durchquert es von Südost nach Nordwest: durch das Elbsandsteingebirge bei Dresden, weiter nach Magdeburg und schließlich nach Hamburg, wo sie zur Lebensader eines der größten Häfen Europas wird. Insgesamt legt sie rund 1.094 Kilometer zurück, ehe sie bei Cuxhaven in die Nordsee mündet.

Ein Fluss, der Länder verbindet

Das Einzugsgebiet der Elbe umfasst rund 148.000 Quadratkilometer und verteilt sich vor allem auf Deutschland und Tschechien, mit kleineren Anteilen in Österreich und Polen. In diesem Gebiet leben viele Millionen Menschen, und über Nebenflüsse wie Moldau, Saale und Havel ist ein großer Teil Mitteleuropas mit der Elbe verbunden.

Historisch war der Strom nicht nur Verkehrsweg, sondern zeitweise auch Grenze: In der Zeit der deutschen Teilung verlief die innerdeutsche Grenze über weite Abschnitte entlang der Elbe. Heute ist sie vor allem eines – eine der zentralen Wasserstraßen und Naturlandschaften Mitteleuropas, deren Geschichte auf einer stillen Moorwiese hoch im Riesengebirge beginnt.