Bei Mercedes-Benz eskaliert der Streit über den Sparkurs. Auf Aufruf der IG Metall legten am Freitag Zehntausende Beschäftigte zeitweise die Arbeit nieder und zogen vor die Werktore. Es war der bislang lauteste Protest gegen die Pläne von Konzernchef Ola Källenius – und erklärtermaßen erst der Anfang.
Proteste an acht Standorten
Nach Angaben der Gewerkschaft beteiligten sich Beschäftigte an acht Standorten – neben dem größten deutschen Werk in Sindelfingen auch in Untertürkheim, Rastatt, Kuppenheim, Bremen, Berlin, Hamburg und Germersheim. Allein in Sindelfingen sprach die IG Metall von rund 20.000 Teilnehmern, das Unternehmen selbst zählte etwa 10.000. Bundesweit gingen nach Gewerkschaftsangaben mehrere zehntausend Beschäftigte auf die Straße. Über den Kundgebungen lag ein deutliches Motto: „Ola raus".
Der Streit um die Sonderzahlung
Der konkrete Anlass ist eine verschobene Zahlung. Rund 90.000 Tarifbeschäftigte sollen ihre jährliche tarifliche Sonderzahlung im Juli zunächst nicht erhalten. Die Zahlung, die 18,4 Prozent eines Monatsentgelts ausmacht, soll erst im April des kommenden Jahres fließen. Mercedes behält sich zudem vor, sie ganz zu streichen. Für die Beschäftigten bedeutet das ein spürbares Loch im Sommerbudget – und für die Gewerkschaft einen Bruch mit tariflichen Zusagen.
Längere Arbeitszeiten im Raum
Noch grundsätzlicher ist der Streit über die Arbeitszeit. Das Management will mit dem Betriebsrat in den kommenden Wochen über eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich verhandeln; in mehreren Berichten ist von einer Rückkehr zur 40-Stunden-Woche die Rede, während in der Branche seit Jahrzehnten die 35-Stunden-Woche gilt. Källenius hat mehrfach betont, alle müssten „mehr für das gleiche Geld" leisten. Auch die Homeoffice-Regeln stehen auf dem Prüfstand.
Das Unternehmen begründet den Kurs mit dem Druck auf die Branche: schwächere Absätze in China und Europa, sinkende Gewinne, hohe Kosten für den Umbau zur Elektromobilität. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müsse man die Kosten senken.
Die Gewerkschaft hält dagegen
Die IG Metall lässt das nicht gelten. Sie wirft der Führung vor, einseitig die Belegschaft zur Kasse zu bitten, statt tragfähige Lösungen zu suchen, und kündigte einen „heißen Sommer und Herbst" an. Der Protest sei nur der Auftakt für weitere Aktionen. Die Beschäftigten hätten den Konzern stark gemacht und dürften nun nicht die Zeche für Managemententscheidungen zahlen, hieß es aus den Betriebsräten.
Damit deutet sich ein zäher Konflikt an. Verbindliche Entscheidungen dürften ohnehin erst im Zuge der nächsten Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie fallen. Bis dahin bleibt der Ton rau – und die Fronten zwischen Vorstand und Belegschaft verhärtet.



