Der Staat baut seinen Einfluss auf das Rückgrat der deutschen Stromversorgung aus. Über die staatliche Förderbank KfW hat sich der Bund am Übertragungsnetzbetreiber TenneT Germany beteiligt – und ist damit nun bei drei der vier großen Netzbetreiber im Land engagiert.

Wer die Stromautobahnen betreibt

Deutschlands Höchstspannungsnetz – die „Stromautobahnen", die den Strom über weite Strecken transportieren – wird von vier Unternehmen betrieben. Nach der neuen Beteiligung sieht die Lage laut Tagesspiegel so aus: Bei TenneT Germany hält die KfW nun 25,1 Prozent, bei 50Hertz 20 Prozent und bei TransnetBW knapp 25 Prozent. Nur beim vierten großen Betreiber, Amprion, ist der Bund nicht beteiligt. TenneT betreibt eines der größten Netze und ist besonders wichtig für den Transport von Windstrom aus dem Norden in den Süden.

Warum der Bund einsteigt

Hinter dem Engagement steht die Energiewende. Weil Strom künftig vor allem aus Wind und Sonne kommt und dort erzeugt wird, wo es weht und scheint, muss er über große Entfernungen zu den Verbrauchszentren transportiert werden – etwa über neue Gleichstromtrassen wie den umstrittenen SuedLink. Dieser Netzausbau kostet viele Milliarden Euro und rechnet sich erst über sehr lange Zeiträume. Für rein private Investoren ist das wenig attraktiv. Mit dem Einstieg der KfW sichert der Bund die Finanzierung dieser kritischen Infrastruktur ab und verschafft den Betreibern eine verlässliche, langfristige Perspektive.

Was das für die Verbraucher heißt

Auf die Stromrechnung wirkt sich die Beteiligung nicht unmittelbar aus. Die Kosten des Netzausbaus tragen die Kundinnen und Kunden ohnehin – über die sogenannten Netzentgelte, die einen Teil des Strompreises ausmachen und von der Bundesnetzagentur reguliert werden. Der Vorteil der staatlichen Beteiligung liegt weniger in kurzfristig niedrigeren Preisen als darin, dass der Ausbau überhaupt gesichert vorankommt. Denn ohne leistungsfähige Netze bleibt die Energiewende Stückwerk – der teuerste Strom ist am Ende der, der gar nicht erst dort ankommt, wo er gebraucht wird.