Politischer Paukenschlag in der Republik Moldau: Ministerpräsident Alexandru Munteanu ist überraschend zurückgetreten. Weil in dem kleinen Land zwischen Rumänien und der Ukraine der Rücktritt des Regierungschefs den Rücktritt der gesamten Regierung nach sich zieht, steht damit auch das Kabinett vor dem Aus.
Rücktritt nach acht Monaten
Munteanu, ein parteiloser Wirtschaftsfachmann, war erst seit November 2025 im Amt – nominiert von Präsidentin Maia Sandu nach der Parlamentswahl im September 2025. Seinen Rücktritt kündigte er am Freitag nach einem Treffen mit der Präsidentin an. Eine konkrete Begründung nannte er nicht; er erklärte lediglich, sein Mandat nicht länger im Einklang mit seinen Prinzipien und Überzeugungen ausüben zu können. Bis zur Ernennung eines Nachfolgers bleibt er geschäftsführend im Amt.
Der Skandal im Hintergrund
Der Rücktritt fällt zeitlich mit einem Korruptionsskandal um das staatliche Flugsicherungsunternehmen MoldATSA zusammen, den die Investigativzeitung „Ziarul de Gardă" aufgedeckt hatte. Im Zentrum stehen Vorwürfe, der frühere Direktor habe seinen Lebenslauf gefälscht; zudem geht es um überhöhte Gehälter und Vetternwirtschaft. Brisant für die Präsidentin: Auch eine Cousine Sandus hatte in dem Unternehmen einen hoch dotierten Posten inne und kündigte inzwischen an, erhaltene Bezüge zurückzuzahlen. Einen direkten Zusammenhang zwischen dem Skandal und seinem Rücktritt stellte Munteanu selbst nicht her – der zeitliche Kontext aber ist offenkundig.
Sandus Reaktion
Präsidentin Sandu würdigte Munteanu als anständige Person, die schwierige, aber notwendige Reformen angestoßen habe – äußerte zugleich aber Kritik, sie hätte sich mehr Entschlossenheit gewünscht. Zum Skandal erklärte sie, von den Missständen nichts gewusst zu haben. Ihre proeuropäische Partei PAS entschuldigte sich öffentlich für den Umgang mit dem Fall und kündigte personelle Konsequenzen an.
Was das für den EU-Kurs bedeutet
Moldau ist seit 2022 Beitrittskandidat der Europäischen Union und hatte den Annäherungsprozess zuletzt vorangetrieben. Sandu betonte, an diesem Kurs ändere sich nichts. Die proeuropäische PAS verfügt nach der Wahl vom September 2025 weiterhin über die Mehrheit im Parlament, sodass eine grundsätzliche Wende unwahrscheinlich ist. Beobachter warnen allerdings, eine längere Regierungsbildung könne den Beitrittsprozess bremsen – und der Skandal kratzt am Image einer Führung, die mit dem Versprechen von Sauberkeit und Reform angetreten war. Die prorussische Opposition fordert bereits Neuwahlen.



