Es ist ein Streit, der seit Jahren zwischen Fischereiwirtschaft und Naturschutz hin- und herpendelt – und der die US-Justiz weiter beschäftigt: Präsident Donald Trump hat das einzige Meeresschutzgebiet im Atlantik für die kommerzielle Fischerei geöffnet. Umweltverbände wehren sich mit Klagen.

Was Trump angeordnet hat

Mit der Proklamation „Unleashing American Commercial Fishing in the Atlantic" vom Februar 2026 hob die US-Regierung das Fangverbot im Northeast Canyons and Seamounts Marine National Monument auf. Damit ist die kommerzielle Fischerei im gesamten Gebiet von rund 4.900 Quadratmeilen – etwa so groß wie der US-Bundesstaat Connecticut – wieder erlaubt. Das Monument liegt vor der Küste Neuenglands, südöstlich von Cape Cod, im Bereich der historisch bedeutenden Fischgründe der Georges Bank. Die Regierung begründet den Schritt wirtschaftlich: Sie will der heimischen Fischereiwirtschaft neue Gewässer erschließen.

Ein einzigartiges Unterwasser-Ökosystem

Das Gebiet wurde 2016 unter Präsident Barack Obama als erstes und bislang einziges marines Schutzgebiet im Atlantik ausgewiesen. Es umfasst drei tiefe Unterwasser-Canyons – tiefer als der Grand Canyon – sowie vier erloschene Unterwasservulkane, sogenannte Seamounts. In der Tiefe wachsen empfindliche Kaltwasserkorallen, die über Jahrhunderte entstehen und unzähligen Arten Lebensraum bieten. Das Gebiet gilt als eines der artenreichsten des Nordatlantiks: Es beherbergt zahlreiche Tiefseekorallen-Arten, bedrohte Großwale wie Pott-, Blau- und Finnwale sowie viele Delfin- und Fischarten.

Ein politisches Hin und Her

Der Schutzstatus war von Beginn an ein Spielball der Parteipolitik: Auf die Ausweisung durch Obama 2016 folgte eine erste Lockerung unter Trump im Jahr 2020, die Präsident Joe Biden 2021 wieder zurücknahm. Nun hat Trump den Schutz erneut aufgehoben. Für Umweltschützer ist gerade dieses Auf und Ab ein Problem: Planungssicherheit für den langfristigen Schutz sensibler Lebensräume gebe es so nicht.

Klagen und scharfe Kritik

Gegen die Öffnung formiert sich breiter Widerstand. Mehrere Umweltorganisationen – darunter die Conservation Law Foundation, der Natural Resources Defense Council und das Center for Biological Diversity – haben Klage eingereicht, um das Fangverbot wiederherstellen zu lassen. Ihr zentrales Argument: Grundberührende Fanggeräte wie Schleppnetze könnten die jahrhundertealten Korallengärten unwiederbringlich zerstören und die Nahrungs- und Aufzuchtgebiete bedrohter Wale beschädigen. Wissenschaftler warnen zudem vor Überfischung in einem besonders empfindlichen Gebiet.

Einordnung

Der Fall steht exemplarisch für einen Grundkonflikt der US-Umweltpolitik unter Trump: kurzfristige wirtschaftliche Nutzung gegen langfristigen Schutz der Natur. Ausgang offen – die Gerichte dürften das letzte Wort haben. Für ein Ökosystem, das erst seit wenigen Jahren überhaupt erforscht wird, könnte jede Fangsaison unter neuen Regeln jedoch Fakten schaffen, die sich kaum rückgängig machen lassen.