Es war eine lange, laute Nacht in der Ukraine: Russland hat mehrere Städte des Landes mit einer massiven Welle aus Drohnen und Raketen angegriffen. Die Behörden sprechen von einer der schwersten Attacken seit Langem.

Hunderte Drohnen, Dutzende Raketen

Nach ukrainischen Angaben setzten die russischen Streitkräfte in der Nacht rund 297 Drohnen und etwa 50 Marschflugkörper ein. Ziele waren die Hauptstadt Kiew, die westukrainische Stadt Lwiw, die Hafenstadt Odessa sowie Teile der Energieinfrastruktur in der Zentralukraine. Die Luftabwehr war die ganze Nacht im Einsatz, konnte aber nicht alle Geschosse abfangen. Alle Zahlen sind vorläufig und stammen von ukrainischer Seite.

Tote und Verletzte

Am schwersten traf es Kiew und Lwiw. In der Hauptstadt wurden nach Behördenangaben mindestens elf Menschen verletzt, ein Mann kam ums Leben. In Lwiw ist von 15 Verletzten die Rede; dort starb eine Polizistin. Mehrere mehrstöckige Gebäude gerieten in Brand, darunter ein Hotel, einzelne Wohnhäuser wurden zerstört. Rettungskräfte waren die ganze Nacht im Einsatz; die Opferzahlen könnten sich noch ändern.

Kälte und Dunkelheit

Neben den unmittelbaren Zerstörungen trafen die Angriffe erneut die Versorgung. Nach Angaben des ukrainischen Energieministeriums waren rund 500.000 Haushalte in und um Kiew zeitweise ohne Strom, Tausende Wohnblocks ohne funktionierende Heizung. Der gezielte Beschuss von Kraftwerken und Netzen zieht sich seit Langem durch den Krieg – mit dem Ziel, die Menschen zu zermürben und die Energieversorgung des Landes zu schwächen.

Ein bekanntes, bitteres Muster

Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte bereits vorab vor einem Großangriff gewarnt und die Bevölkerung aufgerufen, Schutzräume aufzusuchen. Viele Menschen verbrachten die Nacht in U-Bahn-Stationen und Kellern. Solche kombinierten Angriffe aus Drohnen und Marschflugkörpern, die die Luftabwehr überlasten sollen, gehören inzwischen zum grausamen Alltag des Krieges. Für die betroffenen Städte bedeutet jede dieser Nächte Zerstörung, Tote – und die mühsame Aufgabe, am Morgen wieder von vorn zu beginnen.