Die Rente steht wieder oben auf der politischen Tagesordnung. Doch während über Beitragssätze und Eintrittsalter gestritten wird, weisen Fachleute auf eine Schwachstelle hin, die keine Reform bisher wirklich schließt: die systematische Benachteiligung von Frauen.

Ein System für lückenlose Erwerbsleben

Die gesetzliche Rente ist auf ein bestimmtes Erwerbsleben zugeschnitten: möglichst durchgehend, möglichst in Vollzeit, möglichst gut bezahlt. Genau dieses Muster trifft aber auf viele Frauenbiografien nicht zu. Kinderbetreuung, die Pflege von Angehörigen, Teilzeit und Minijobs führen zu Unterbrechungen und geringeren Einzahlungen. Wer weniger und kürzer einzahlt, bekommt später weniger heraus – so einfach und so folgenreich ist die Logik des Systems.

Die Rentenlücke in Zahlen

Wie groß der Abstand ist, zeigt der sogenannte Gender Pension Gap. Nach Daten des Statistischen Bundesamts fallen die eigenständigen Alterseinkünfte von Frauen im Schnitt deutlich niedriger aus als die von Männern – die Lücke liegt, je nach Berechnung und Region, im Bereich von rund einem Drittel; im Westen Deutschlands ist sie größer als im Osten. Sie ist damit deutlich weiter als die Lohnlücke im Erwerbsleben, weil sich Nachteile über ein ganzes Arbeitsleben aufsummieren.

Sorgearbeit zählt im Portemonnaie nicht

Ein Kern des Problems ist unbezahlte Arbeit. Frauen leisten im Durchschnitt einen erheblich größeren Teil der Haus- und Sorgearbeit – Fachleute sprechen von einem „Gender Care Gap". Diese Zeit fehlt in der Erwerbsbiografie und damit auf dem Rentenkonto. Hinzu kommt der Gender Pay Gap: Schon während des Arbeitslebens verdienen Frauen im Schnitt weniger und zahlen entsprechend geringere Beiträge ein. Kritikerinnen wie die Finanzbildungs-Expertin Natascha Wegelin bringen es auf den Punkt: Eine Reform, die an den Ursachen – Lohnunterschiede, Sorgearbeit, Teilzeit – nichts ändere, verändere auch das Ergebnis nicht.

Warum manche Reformideen die Lücke vergrößern

Besonders heikel sind Vorschläge, den Renteneintritt stärker an die Zahl der Beitragsjahre zu koppeln. Analysen etwa des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigen, dass Frauen ein solches Kriterium – etwa 45 Beitragsjahre – deutlich seltener erfüllen als Männer, und Mütter noch seltener. Was gerecht klingt, weil es lange Arbeit belohnt, kann Frauen mit Erwerbsunterbrechungen also zusätzlich benachteiligen.

Was helfen würde

Fachleute und Verbände fordern deshalb, Sorgearbeit besser abzusichern: Erziehungs- und Pflegezeiten stärker anzurechnen, die Mütterrente aus Steuern statt aus der Rentenkasse zu finanzieren und die Aufwertung von Minijobs voranzutreiben. Der Tenor: Die Rente allein kann die Ungleichheit nicht heilen. Ohne Fortschritte bei Löhnen, Arbeitszeit und Kinderbetreuung bleibt die Altersvorsorge für viele Frauen das, was sie heute ist – eine Rechnung, die am Ende des Arbeitslebens nicht aufgeht.