Der wohl größte europäische Rüstungs-Börsengang des Jahres fällt vorerst aus: Der deutsch-französische Konzern KNDS hat seine für Mitte Juli geplante Notierung in Paris und Frankfurt kurzfristig verschoben.

Marktturbulenzen geben den Ausschlag

Nach Angaben des Unternehmens soll der Prozess erst dann fortgesetzt werden, wenn sich das Marktumfeld für Rüstungsaktien in Europa erholt hat. Ein neuer Anlauf gilt frühestens im September als möglich. Ausschlaggebend waren zuletzt spürbare Kursverluste in der Branche: Ausgerechnet Rheinmetall, das viele Anleger als engsten Vergleichswert für KNDS heranziehen, hatte an der Börse deutlich nachgegeben. In einem solchen Umfeld einen milliardenschweren Börsengang zu starten, gilt als riskant.

Streit um die Bewertung

Hinzu kam Uneinigkeit über den Preis. Die Eigentümer taten sich schwer, Investoren von einer Bewertung von mehr als zwölf Milliarden Euro zu überzeugen; in der Branche kursierten zeitweise deutlich höhere Zahlen. Wenn die Vorstellungen von Verkäufern und Käufern so weit auseinanderliegen, ist ein Rückzug oft die klügere Option, als den Börsengang zu einem enttäuschenden Preis durchzuziehen.

Was KNDS ist

KNDS entstand 2015 aus der Fusion des deutschen Herstellers Krauss-Maffei Wegmann mit dem französischen Unternehmen Nexter. Der Konzern zählt zu den führenden europäischen Anbietern im Bereich der Landverteidigung; sein bekanntestes Produkt ist der Kampfpanzer Leopard 2, dazu kommen Radfahrzeuge wie der Boxer und Artilleriesysteme. Vor dem Hintergrund stark gestiegener Verteidigungsausgaben in Europa gehört KNDS zu den Profiteuren des Rüstungsbooms – und wäre an der Börse entsprechend gefragt gewesen.

Ein Rückschlag mit Ansage

Dass der Börsengang platzt, ist weniger ein Zeichen von Schwäche des Unternehmens als eine Momentaufnahme nervöser Märkte. Die grundsätzliche Nachfrage nach Rüstungsgütern bleibt hoch, und die staatlichen Eigentümer in Deutschland und Frankreich sitzen den Zeitdruck aus. Für Anleger, die auf eine der prominentesten Neuemissionen des Jahres gewartet haben, heißt es nun aber: weiter warten – mindestens bis zum Herbst.