Kann die Börse helfen, die Rente zu sichern? In Schweden lautet die Antwort seit Langem: ein Stück weit ja. Das Modell dient auch hierzulande immer wieder als Vorbild – zuletzt scheiterte ein deutscher Anlauf allerdings.
So funktioniert das schwedische Modell
In Schweden fließen 18,5 Prozent des Einkommens in die Altersvorsorge. Der größte Teil davon, 16 Prozentpunkte, speist die klassische umlagefinanzierte Rente – ähnlich wie in Deutschland zahlen also die Erwerbstätigen für die heutigen Rentner. Die verbleibenden 2,5 Prozentpunkte aber wandern in die sogenannte Prämienrente: einen kapitalgedeckten Baustein, bei dem das Geld an den Kapitalmärkten angelegt wird.
Wer sich nicht selbst um die Fondsauswahl kümmert, landet automatisch im staatlichen Standardfonds AP7. Dieser folgt einem Lebenszyklus-Prinzip: In jungen Jahren wird nahezu vollständig in Aktien investiert, mit steigendem Alter schichtet der Fonds schrittweise in sicherere Anlagen um. Die Idee dahinter: Über Jahrzehnte gleichen sich Kursschwankungen aus, langfristig winken höhere Erträge als bei reiner Umlagefinanzierung.
Der deutsche Versuch – und sein Scheitern
Deutschland wollte einen ähnlichen Weg gehen, wenn auch mit anderem Aufbau. Das unter der Ampel-Koalition geplante „Generationenkapital" sah vor, einen staatlichen Kapitalstock aufzubauen, dessen Erträge später den Anstieg der Rentenbeiträge dämpfen sollten. Anders als in Schweden ging es nicht um individuelle Konten, sondern um einen kollektiven, überwiegend kreditfinanzierten Fonds. Als Startkapital war ein Bundesdarlehen von zwölf Milliarden Euro vorgesehen, verwaltet zunächst über den bestehenden Atom-Entsorgungsfonds Kenfo.
Doch das Vorhaben kam nie zum Tragen: Mit dem Ende der Ampel-Koalition scheiterte das Gesetz, und im Koalitionsvertrag der neuen Regierung aus Union und SPD taucht das Generationenkapital nicht mehr auf. Die deutsche Aktienrente bleibt damit vorerst eine Idee auf dem Papier.
Chancen und Risiken
Befürworter verweisen auf die langfristig positiven Renditen der Aktienmärkte und auf die breite Streuung des Risikos über viele Unternehmen und Länder. Über sehr lange Zeiträume, so das Argument, hätten Aktien verlässlich mehr abgeworfen als sichere Anlagen.
Kritiker halten dagegen – gerade beim kreditfinanzierten deutschen Modell. Der Chefaktuar der Beratungsgesellschaft Mercer, Thomas Hagemann, nannte das Generationenkapital eine „Wette", die keineswegs immer aufgehe, und warnte vor einer schuldenfinanzierten Kapitalanlage. Denn wer Geld leiht, um es an der Börse anzulegen, muss mindestens die Kreditkosten wieder einspielen – in schlechten Börsenjahren ein Risiko.
Was bleibt
Das schwedische Modell zeigt, dass eine teilweise kapitalgedeckte Rente funktionieren kann – allerdings über individuelle Beiträge und einen langen Zeithorizont, nicht über Schulden. Für Deutschland bleibt die Grundfrage bestehen: Wie lässt sich das Rentensystem angesichts einer alternden Gesellschaft stabil halten? Der Blick nach Norden liefert Anregungen, aber kein fertiges Rezept – und die politische Debatte darüber dürfte weitergehen.



