Zum ersten Mal seit den 1960er-Jahren bahnt sich wieder ein echtes Rennen zum Mond an. Diesmal stehen sich die USA und China gegenüber – und beide Seiten machen aus dem Wettbewerb kaum noch einen Hehl.

Chinas Fahrplan bis 2030

Peking hält an seinem erklärten Ziel fest, noch vor 2030 Astronauten auf dem Mond zu landen. Nach Angaben der chinesischen Raumfahrtbehörde, die die Staatsagentur Xinhua verbreitete, ist die Entwicklung der wichtigsten Flughardware weit fortgeschritten; als Nächstes stehen Verifikationsflüge und integrierte Tests an.

Drei Systeme bilden den Kern des Programms: die Schwerlastrakete Langer Marsch 10, das bemannte Raumschiff Mengzhou und der Lander Lanyue. Die Missionsarchitektur sieht zwei getrennte Starts vor: Eine Rakete bringt den Lander in die Mondumlaufbahn, eine zweite das Raumschiff mit der Besatzung. Im Orbit koppeln beide an, zwei Astronauten steigen in den Lander um und setzen zur Landung an, ehe sie wieder zum Raumschiff zurückkehren. In den kommenden Jahren sind dazu unbemannte Testflüge und eine Generalprobe geplant – die genauen Termine sind Planungsstände und können sich verschieben.

Die NASA und das Artemis-Programm

Auf amerikanischer Seite ist das Artemis-Programm einen sichtbaren Schritt weiter. Die Mission Artemis II – ein bemannter Vorbeiflug am Mond mit vier Astronauten an Bord der Orion-Kapsel – wurde Anfang April 2026 absolviert und war der erste bemannte Flug jenseits der Erdumlaufbahn seit Apollo. Diesen Meilenstein hat China noch vor sich.

Die eigentliche Landung aber steht auch für die USA noch aus. Artemis III, die geplante Rückkehr von Menschen auf die Mondoberfläche, ist nach bisherigem Stand für etwa 2027 vorgesehen, wurde in der Vergangenheit jedoch mehrfach verschoben. Als Landefähre sind kommerzielle Entwicklungen von SpaceX und Blue Origin eingeplant, deren Reifegrad einer der größten Unsicherheitsfaktoren im Zeitplan bleibt.

Warum es um mehr als Prestige geht

Dass hinter dem Wettlauf handfeste Interessen stehen, macht eine Analyse der RAND Corporation deutlich: Es geht um den Zugang zu den ressourcenreichen Regionen am lunaren Südpol, um Wassereis als möglichen Rohstoff und Treibstofflieferanten und um die Frage, welche Nation die Regeln für die künftige Nutzung des Mondes prägt. Wer zuerst dauerhaft präsent ist, verschafft sich strategische und technologische Vorteile.

Der Ausgang ist offen. China verfügt über ein staatlich durchfinanziertes Programm mit klarer Linie und einer Serie erfolgreicher unbemannter Chang'e-Missionen. Die USA sind mit Artemis II operativ vorn, hängen bei der Landung aber von privaten Partnern ab. Sicher ist nur: Der Mond ist zurück im Zentrum der Raumfahrt – und der Sieger dieses Rennens ist noch nicht ausgemacht.