Deutschlands meistbesuchte Sehenswürdigkeit kostet künftig Eintritt: Der Kölner Dom hat zum 1. Juli ein Besichtigungsentgelt eingeführt.

Zwölf Euro für Touristen

Wer die gotische Kathedrale als Sehenswürdigkeit besichtigen möchte, zahlt nun zwölf Euro; ermäßigt – etwa für Studierende und Schüler ab 14 Jahren – sind es sechs Euro. Damit reiht sich der Dom in eine Reihe großer Kirchen ein, die von Touristen bereits Eintritt verlangen. Tickets gibt es online und vor Ort. Angesichts von jährlich rund sechs Millionen Besuchern – im Schnitt etwa 30.000 pro Tag – soll die Gebühr den Andrang zugleich etwas ordnen.

Wer nichts zahlt

Wichtig ist dem Domkapitel die Botschaft: Der Dom bleibt in erster Linie ein Gotteshaus. Deshalb gibt es klare Ausnahmen. Wer zum Gebet oder zum Gottesdienst kommt, zahlt nichts. Kostenfrei bleibt der Besuch auch für Kinder sowie für Menschen mit Schwerbehinderung samt Begleitung. Für stilles Gebet ist weiterhin ein Bereich ohne Ticket zugänglich. An einzelnen Tagen im Jahr soll der Dom zudem für alle kostenlos offenstehen.

Warum das Geld gebraucht wird

Hinter dem Schritt steht ein handfester Grund: Der Erhalt des Doms verschlingt jedes Jahr Millionen. Der Unterhalt der Kathedrale wird auf einen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr beziffert. An dem Bauwerk wird praktisch ununterbrochen gearbeitet – die berühmte Dombauhütte mit ihren Steinmetzen und Restauratoren kämpft dauerhaft gegen Verwitterung und Verfall. Kirchenbesuche und Spenden allein decken diese Kosten längst nicht mehr; der Massentourismus soll nun einen Teil beitragen.

Zwischen Andacht und Andrang

Die Neuerung berührt eine Grundsatzfrage: Wie geht ein Gotteshaus damit um, zugleich eine der größten Touristenattraktionen des Landes zu sein? Kritiker könnten einwenden, eine Kirche solle allen offenstehen. Das Domkapitel hält dagegen, dass genau das gewahrt bleibe – für Gläubige ändere sich nichts, Eintritt zahle nur, wer den Dom als Sehenswürdigkeit erlebe. Zwölf Euro sind überschaubar, das Signal aber deutlich: Der Blick auf eines der bedeutendsten Bauwerke Europas ist nicht mehr in jedem Fall gratis.