Wer bei chinesischen Online-Marktplätzen günstig bestellt, muss sich auf höhere Kosten einstellen: Eine jahrzehntealte Zollregel ist seit dem 1. Juli Geschichte.
Das Ende der Zollfreigrenze
Bislang konnten Pakete aus Nicht-EU-Ländern mit einem Warenwert unter 150 Euro zollfrei eingeführt werden. Diese Freigrenze fällt nun weg. An ihre Stelle tritt – zunächst als Übergangslösung – eine pauschale Abgabe. Nach Angaben des Zolls werden je Warengruppe in einer Sendung drei Euro fällig. Wer in einem Paket also mehrere unterschiedliche Produktarten bestellt, zahlt entsprechend mehr. Hinzu kommt weiterhin die Einfuhrumsatzsteuer.
Wer betroffen ist
Die Regel zielt vor allem auf die Flut billiger Kleinsendungen, die vor allem über Plattformen wie Temu, Shein und ähnliche Anbieter nach Europa kommen. Das Ausmaß ist enorm: Im vergangenen Jahr erreichten nach Angaben der EU-Kommission rund 5,9 Milliarden solcher Kleinsendungen die EU-Grenzen, der Großteil davon aus China. Für die Kundschaft bedeutet die Neuerung, dass sich der Endpreis vieler Schnäppchen spürbar erhöhen kann – gerade bei sehr günstigen Artikeln fällt eine Pauschale prozentual stark ins Gewicht.
Warum die Reform kommt
Hinter der Änderung steht vor allem ein Ziel: fairer Wettbewerb. Europäische Händler müssen ihre Waren verzollen und versteuern, während die Masse der Billigpakete aus Drittländern bisher weitgehend unkontrolliert und abgabenfrei ins Land kam. Das verschaffte den außereuropäischen Anbietern einen Vorteil und brachte zudem Probleme bei Produktsicherheit und Kontrolle mit sich. Die Reform soll diese Lücke schließen.
Wie es weitergeht
Die pauschalen drei Euro sind nur ein Zwischenschritt. Geplant ist, die Abwicklung mittelfristig auf ein neues, digitales Zollsystem umzustellen, das die Abgaben genauer und automatisiert berechnet. Zusätzlich ist eine weitere Bearbeitungsgebühr im Gespräch, deren Höhe aber noch nicht feststeht. Für Verbraucher heißt das fürs Erste: Vor dem Klick auf „Kaufen" lohnt der Blick auf die Gesamtkosten – das vermeintliche Schnäppchen kann am Ende teurer ausfallen als gedacht.



