Es ist eine der größten Sanierungen der deutschen Wirtschaft – und sie zieht sich. Der Konzern BayWa braucht nach eigenen Angaben deutlich länger, um aus der Krise zu kommen, als ursprünglich geplant.

Zwei Jahre mehr

Statt wie zunächst angepeilt bis 2028 soll die Sanierung nun erst 2030 abgeschlossen sein – eine Verschiebung um rund zwei Jahre. Schon im Herbst dieses Jahres steht ein wichtiger Prüfstein an: Dann müssen die beteiligten Banken erneut entscheiden, ob sie den eingeschlagenen Kurs weiter mittragen. Eine Stillhaltevereinbarung mit den Gläubigern verschafft dem Konzern bis dahin Luft.

Wie BayWa in die Krise geriet

BayWa zählt zu den großen europäischen Agrar-, Bau- und Energiehandelskonzernen, mit Zehntausenden Beschäftigten und Geschäft in vielen Ländern. Für Landwirte ist das Unternehmen ein zentraler Partner: Es liefert Saatgut, Dünger, Futter und Maschinen. Nach Jahren kräftiger Expansion und mit dem Anstieg der Zinsen wuchs jedoch der Schuldenberg, bis der Konzern 2024 in eine schwere Krise rutschte und ein Sanierungsverfahren einleitete.

Verkäufe, die schwerer fallen als gedacht

Der Rettungsplan setzt stark auf den Verkauf von Unternehmensteilen. Genau hier hakt es. Besonders die auf Wind- und Solarprojekte spezialisierte Energietochter BayWa r.e. lässt sich schwerer zu Geld machen als erhofft, auch weil sich die Rahmenbedingungen im wichtigen US-Markt verschlechtert haben. Weitere Beteiligungen, etwa im Auslandsgeschäft, sollen ebenfalls veräußert werden, um Geld in die Kasse zu bringen. Berichten zufolge klafft bis zum Herbst dennoch eine Milliardenlücke im Finanzierungsplan.

Der Preis für die Beschäftigten

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat der Umbau Folgen. Geplant sind der Abbau von rund 1.300 Stellen und die Schließung etlicher Standorte bis 2027; einzelne Baustoff-Standorte wurden bereits dichtgemacht. Hinter den Zahlen stehen Existenzen – und Regionen, in denen BayWa oft ein wichtiger Arbeitgeber ist.

Mehr als ein Konzern

Was BayWa von einer gewöhnlichen Firmenkrise unterscheidet, ist seine Rolle für die Landwirtschaft. Fällt ein so großer Händler aus, hätte das Folgen für Bauern und den ländlichen Raum. Genau deshalb wird die Sanierung über München hinaus aufmerksam verfolgt. Ob sie gelingt, dürfte sich im Herbst zeigen – wenn die Banken erneut am Zug sind.