Wer in diesen Tagen am Nollendorfplatz aus der U-Bahn steigt, liest am Bahnhof etwas Neues: Zum Stationsnamen ist der Zusatz „im Regenbogenkiez" hinzugekommen, in den Farben des Regenbogens.
Ein Schild als Geste
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben die Ergänzung zur Pride-Saison angebracht, als sichtbares Zeichen für Vielfalt. Es ist eine bewusst gewählte Geste: Der Platz im Stadtteil Schöneberg gilt seit Langem als das Zentrum queeren Lebens in Berlin. Vertreterinnen und Vertreter der BVG und der Stadt verwiesen darauf, dass solche Sichtbarkeit gerade in einer Zeit zunehmender queerfeindlicher Vorfälle wichtig sei – ein Bekenntnis zu einem offenen Berlin, das alle willkommen heißt.
Ein Ort mit Geschichte
Die Wahl des Ortes kommt nicht von ungefähr. Schon in den 1920er-Jahren war die Gegend um den Nollendorfplatz ein Mittelpunkt des queeren Lebens, mit Lokalen und einer für die damalige Zeit außergewöhnlichen Offenheit. Das berühmte Vergnügungslokal Eldorado etwa zog ein internationales Publikum an. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde diese Welt zerschlagen, ihre Szene verfolgt. Bis heute erinnert am Bahnhof eine Gedenktafel in Form eines „Rosa Winkels" an die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten homosexuellen Menschen – jenes Zeichen, mit dem sie in den Konzentrationslagern gekennzeichnet wurden.
Lebendige Gegenwart
Schöneberg ist bis heute ein Anziehungspunkt: mit Bars, Cafés und Initiativen, mit Regenbogenfahnen im Straßenbild. Die Umbenennung des Bahnhofs reiht sich in eine Reihe von Aktionen ein, mit denen Stadt und Verkehrsbetriebe zur Pride-Zeit Flagge zeigen. Auch der Berliner Christopher Street Day, der traditionell Zehntausende auf die Straße bringt, steht in den kommenden Wochen an.
Mehr als Symbolik
Natürlich ändert ein zusätzliches Schild zunächst wenig am Alltag. Doch Symbole haben ihre eigene Kraft – besonders an einem Ort, der für Verfolgung und für Selbstbehauptung zugleich steht. Der Nollendorfplatz erzählt beides: die dunkle Geschichte und die gewonnene Freiheit. Dass sein Name nun für einige Wochen den „Regenbogenkiez" trägt, macht diese Geschichte für alle sichtbar, die hier vorbeikommen.



