Es ist eine der größten Landschaftsverwandlungen Deutschlands: In der Lausitz, an der Grenze von Brandenburg und Sachsen, wird aus einer einstigen Bergbauwüste eine Wasserwelt.

Von der Grube zum See

Über Generationen lebte die Region von der Braunkohle. Riesige Tagebaue fraßen sich in die Erde, ganze Dörfer mussten weichen. Was blieb, waren tiefe Restlöcher. Seit Jahrzehnten werden diese nun geflutet und zu Seen umgestaltet. So entsteht das Lausitzer Seenland – nach Angaben der Beteiligten die größte künstliche Wasserlandschaft Europas, ein Netz aus rund zwei Dutzend Seen, die teils durch schiffbare Kanäle verbunden werden.

Ein Meilenstein in diesem Sommer

In diesem Sommer wird ein wichtiger Schritt vollzogen: Mehrere große Seen werden über Kanäle zu einem zusammenhängenden, mit dem Boot befahrbaren Gewässerverbund verknüpft. Die Dimensionen sind gewaltig – über die Jahre wurden für die jüngeren Seen hunderte Millionen Tonnen Kohle gefördert und gewaltige Erdmassen bewegt. Die zuständige Bergbausanierungsgesellschaft LMBV hat für die Rekultivierung nach eigenen Angaben bereits hohe dreistellige Millionenbeträge investiert.

Hoffnung auf eine Zukunft nach der Kohle

Für die Lausitz ist der Umbau existenziell. Der Kohleausstieg ist bis spätestens 2038 beschlossen, damit verschwindet eine wirtschaftliche Säule der Region. Das Seenland soll Ersatz schaffen: Tourismus, Wassersport und Erholung statt Tagebau. Schon heute zählt die Region Hunderttausende Übernachtungen pro Jahr. Auch neue Arbeitgeber siedeln sich an – etwa ein großes ICE-Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn in Cottbus, das tausend und mehr Stellen schaffen soll. Ob das die wegfallenden Bergbaujobs auf Dauer ersetzt, ist eine der zentralen Fragen des Strukturwandels.

Wasser ist nicht gleich Idylle

So verlockend die Bilder sind – einfach ist der Wandel nicht. Die Lausitz ist eine niederschlagsarme Gegend, und es fehlt schlicht an Wasser, um alle geplanten Seen zügig zu füllen. Ein weiteres Problem ist die Verockerung: Aus dem Bergbau gelangt Eisen ins Grundwasser, das Flüsse wie die Spree braun färben und Ökosysteme belasten kann. Aufwendige Reinigungsanlagen müssen gegensteuern. Hinzu kommt die Gefahr von Böschungsrutschungen an den noch jungen Uferzonen, weshalb bislang nur ein Teil der Seen freigegeben ist.

Ein Modellfall

Das Lausitzer Seenland ist damit mehr als ein Freizeitprojekt: Es ist ein Probelauf dafür, ob sich eine ganze Region neu erfinden kann. Gelingt der Wandel, könnte er Vorbild für andere Kohlereviere sein. Sicher ist er nicht – aber die Entscheidung, aus zerstörter Erde etwas Neues wachsen zu lassen, ist ein hörbares Signal der Zuversicht.