Eine Woche nach den verheerenden Erdbeben ringt Venezuela weiter mit den Folgen der Katastrophe. Zur Trauer um die Toten kommt nun wachsende Wut über den Umgang mit der Notlage.

Eine Katastrophe mit vielen Opfern

Am 24. Juni hatten zwei schwere Beben den Nordwesten des Landes erschüttert und Schäden bis in die Hauptstadt Caracas und die Hafenstadt La Guaira verursacht. Die Zahl der Todesopfer wird inzwischen mit deutlich über tausend angegeben, Tausende wurden verletzt, viele Menschen gelten weiter als vermisst. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind Hunderttausende auf humanitäre Hilfe angewiesen; in vielen betroffenen Gebieten fielen Wasser-, Strom- und Telefonnetze aus.

Verzweiflung und Vorwürfe

In mehreren Orten berichten Überlebende, sie suchten teils mit bloßen Händen nach Verschütteten, weil organisierte Hilfe auf sich warten lasse. Hilfsorganisationen und Einwohner äußern Kritik an der staatlichen Reaktion – sie sei vielerorts zu spät und zu schwach angelaufen. Berichten zufolge kam es an Absperrungen zu Spannungen, als Menschen aus Verzweiflung in gesperrte Gebiete vordringen wollten. Auch der Zugang für ausländische Helfer soll sich zeitweise verzögert haben. Eine unabhängige Überprüfung all dieser Schilderungen ist angesichts der chaotischen Lage schwierig.

Internationale Hilfe läuft an

Während die nationale Hilfe stockt, ist internationale Unterstützung im Land. Den Vereinten Nationen zufolge sind Dutzende Rettungsteams mit Spezialkräften und Suchhunden im Einsatz, um nach Verschütteten zu suchen. Auch Deutschland leistet Beistand: Das Technische Hilfswerk (THW) entsandte Einsatzkräfte, das Deutsche Rote Kreuz lieferte Hilfsgüter. Mehrere Staaten sagten Geld und Material zu.

Ein langer Weg

Die unmittelbare Rettungsphase geht allmählich in die Versorgung der Überlebenden über – und in den mühsamen Wiederaufbau. Beides dürfte Wochen, eher Monate dauern. Wie gut die Hilfe die Menschen erreicht und ob sich die Spannungen legen, wird auch davon abhängen, wie offen das Land mit der Katastrophe umgeht. Für die Betroffenen zählt zunächst nur das Nötigste: sauberes Wasser, ein Dach über dem Kopf und Gewissheit über vermisste Angehörige.