Zelte statt fester Unterkunft: In Frankfurt am Main hat die Stadt für wohnungslose Menschen kurzfristig ein provisorisches Quartier eingerichtet. Was als rasche Hilfe gedacht ist, entfacht eine grundsätzliche Debatte.

Warum die Notunterkunft schließen musste

Auslöser war das Aus für die bisher größte Notunterkunft der Stadt, die in einem U-Bahn-Bauwerk am Eschenheimer Tor untergebracht war. Eine Brandschutzprüfung kam zu dem Schluss, dass die Räume nicht sicher genug sind: Im Brandfall könnte sich Rauch in dem geschlossenen Bauwerk zu schnell ausbreiten. Die Verkehrsgesellschaft kündigte die Nutzung daraufhin auf – die Stadt musste binnen kurzer Zeit eine Alternative finden.

Eine Übergangslösung unter freiem Himmel

Die Antwort fiel notgedrungen provisorisch aus: In einer nahegelegenen Grünanlage wurden mehrere Zelte aufgebaut, mit Feldbetten und Platz für rund hundert Menschen. Die Stadt selbst bezeichnet das als Übergang, nicht als Dauerlösung. Befürworter halten dagegen, ein Zelt biete immerhin Schutz, Ansprache und Sicherheit – und sei allemal besser als die Straße, auch in heißen Sommernächten, die für geschwächte Menschen gefährlich werden können.

Die Kritik: kein Dach ist ein Zuhause

Doch an der Notlösung gibt es auch Kritik. Ein Zelt ersetzt keine Wohnung: Es fehlt an Privatsphäre, an sanitärer Versorgung, an einem festen Rückzugsort. Sozialverbände verweisen auf ein anderes Konzept, das international Erfolge zeigt: Housing First. Die Idee dreht die übliche Logik um – Betroffene erhalten zuerst eine eigene Wohnung und dann die nötige Unterstützung, statt sich diese über Stationen in Notunterkünften „verdienen" zu müssen. Erfahrungen damit zeigen, dass ein großer Teil der Teilnehmenden die Wohnung dauerhaft hält.

Ein Problem, das größer wird

Der Fall steht für eine bundesweite Entwicklung. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts waren zu Jahresbeginn 2026 mehrere Hunderttausend wohnungslose Menschen offiziell untergebracht – in Sammelunterkünften, Einrichtungen oder Notquartieren. Hinzu kommt eine Dunkelziffer derer, die auf der Straße oder bei Bekannten leben. Auffällig ist der hohe Anteil junger Menschen sowie geflüchteter Personen. Als zentrale Ursache gilt der Mangel an bezahlbarem Wohnraum.

Was bleibt

Die Frankfurter Zelte sind damit Symptom und Symbol zugleich: Symptom eines angespannten Wohnungsmarkts – und Symbol für die Frage, ob Städte auf Wohnungslosigkeit mit immer neuen Notlösungen reagieren oder mit dauerhaftem Wohnraum. Für die Betroffenen zählt zunächst das Naheliegende: ein geschützter Platz für die Nacht. Die schwierigere Aufgabe, ihnen ein echtes Zuhause zu verschaffen, bleibt.