Schlechte Laune liegt in der Luft. Umfragen zeichnen seit Jahren ein gedrücktes Stimmungsbild, viele Menschen blicken pessimistisch in die Zukunft. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt: An der Stimmung lässt sich arbeiten.
Krise und Gefühl sind nicht dasselbe
Dass die Laune im Keller ist, hat handfeste Gründe – eine Reihe von Krisen folgt auf die nächste. Bemerkenswert ist aber eine Lücke zwischen der objektiven Lage und ihrer gefühlten Bedrohlichkeit. Unser Gehirn ist evolutionär darauf getrimmt, Gefahren besonders stark zu beachten. Diese „Negativitätsverzerrung" sicherte einst das Überleben, sorgt heute aber dafür, dass schlechte Nachrichten überproportional viel Raum in unserem Kopf einnehmen, während gute kaum hängen bleiben.
Die Falle des Doomscrolling
Verstärkt wird der Effekt durch unsere Mediennutzung. Das endlose Scrollen durch düstere Schlagzeilen hat einen eigenen Namen bekommen: Doomscrolling. Das Tückische daran: Es fühlt sich an, als verschaffe man sich Kontrolle, tatsächlich aber wächst das Gefühl der Ohnmacht. Soziale Plattformen befeuern das Verhalten zusätzlich, weil ihre Algorithmen Aufregendes und Negatives bevorzugt ausspielen – das hält die Nutzer länger bei der Stange.
Was Fachleute empfehlen
Der Ausweg liegt nicht darin, Probleme zu leugnen, sondern den Umgang mit ihnen zu ändern. Psychologinnen und Psychologen raten zu einigen erprobten Schritten:
- Nachrichten dosieren: Feste Zeiten statt Dauerberieselung, und bewusst auch einmal das Handy weglegen. Wer informiert sein will, braucht keinen Minutentakt.
- Selbstwirksamkeit erleben: Das Gefühl, etwas bewirken zu können, ist ein starkes Gegenmittel gegen Ohnmacht. Schon kleine Handlungen – ein Ehrenamt, Hilfe in der Nachbarschaft, ein konkretes Projekt – holen die Handlungsfähigkeit zurück.
- Bindungen pflegen: Gespräche mit vertrauten Menschen, gemeinsame Unternehmungen und Bewegung wirken nachweislich stimmungshebend.
- Das Gute bewusst wahrnehmen: Wer sich am Abend kurz vergegenwärtigt, was am Tag gelungen ist, trainiert den Blick gegen die Negativitätsverzerrung.
Realismus statt Zweckoptimismus
Wichtig ist die Balance: Es geht nicht um aufgesetzte gute Laune oder das Schönreden echter Probleme. Resilienz bedeutet, weder im Pessimismus zu versinken noch in naiven Optimismus zu flüchten, sondern ein realistisches Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Die Krisen verschwinden dadurch nicht. Aber der Blick auf sie wird klarer – und die eigene Handlungsfähigkeit größer.



