Volle Liegewiesen, lange Schlangen am Kassenhäuschen: Die Hitzewelle füllt die Freibäder. Doch hinter dem Sommervergnügen steckt ein Problem, das vielen Kommunen seit Jahren zusetzt.

Ein Politiker fordert eine Offensive

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Ploß (CDU), hat ein milliardenschweres Programm zur Sanierung deutscher Bäder gefordert. Freibäder, so sein Argument, gehörten zur Grundausstattung für Familien und dürften nicht zum Luxus werden. Gerade in heißen Sommern zeige sich ihr Wert – und zugleich ihr schlechter Zustand.

Ein Sanierungsstau in Milliardenhöhe

Das Ausmaß ist beträchtlich. Fachverbände beziffern den Sanierungsstau bei den öffentlichen Bädern auf rund 34 Milliarden Euro. Viele der bundesweit mehreren Tausend Bäder sind veraltet; ein erheblicher Teil gilt als sanierungsbedürftig. Immer wieder müssen Kommunen Anlagen schließen, weil Unterhalt und Energie zu teuer werden und das Geld für Reparaturen fehlt. Eine Bündnis aus Bäder- und Sportverbänden dringt seit Längerem auf ein verlässliches, langfristig angelegtes Förderprogramm – die bisher zugesagten Mittel reichen aus ihrer Sicht bei Weitem nicht.

Es geht auch um die Sicherheit

Der Verfall der Bäder hat Folgen, die über das Freizeitvergnügen hinausreichen. Wo Bäder schließen oder Schwimmkurse ausfallen, lernen weniger Kinder richtig schwimmen. Rettungsorganisationen wie die DLRG warnen seit Jahren, dass ein großer Teil der Grundschulkinder nicht sicher schwimmen kann – mit Blick auf die jährlichen Badeunfälle ein ernstes Problem. Hinzu kommt ein Mangel an ausgebildetem Personal, der den Betrieb zusätzlich erschwert.

Geld allein löst nicht alles

Ein Bundesprogramm könnte helfen, doch die Ursachen liegen tiefer. Viele Bäder werden von klammen Kommunen betrieben, für die jede Sanierung eine Kraftanstrengung ist. Ploß fordert deshalb auch, Vorschriften zu entschlacken, damit Reparaturen schneller gelingen. Ob am Ende tatsächlich Milliarden fließen, ist offen – die Forderung trifft jedenfalls einen Nerv: Solange die Sommer heißer werden, wird der Ruf nach funktionierenden Bädern lauter.