Es ist die schwerste Naturkatastrophe Venezuelas seit über einem Jahrhundert: Nach zwei heftigen Erdbeben steigt die Zahl der Todesopfer weiter, während Rettungskräfte unter Hochdruck nach Verschütteten suchen.
Zwei Beben in 39 Sekunden
Am 24. Juni erschütterten zwei starke Erdbeben das Land – zunächst ein Vorbeben der Stärke 7,2, dann nur 39 Sekunden später der Hauptstoß der Stärke 7,5. Das Epizentrum lag im Nordwesten des Landes, in der Region Yaracuy nahe der Stadt San Felipe. Doch die Erschütterungen reichten weit: Schwere Schäden gibt es auch in der Hauptstadt Caracas und der Hafenstadt La Guaira. Es war das stärkste Beben in Venezuela seit dem Jahr 1900.
Eine Bilanz, die wächst
Nach Angaben der Behörden kamen mehr als 1.700 Menschen ums Leben, Tausende wurden verletzt. Hunderte Gebäude wurden beschädigt, viele stürzten vollständig ein. Die Zahl der Opfer dürfte weiter steigen: Noch immer werden Menschen vermisst, und Fachleute der Erdbebenwarte warnen, dass die endgültige Bilanz weit höher ausfallen könnte. Für die Rettungskräfte ist die kritische erste Phase, in der Verschüttete die größten Überlebenschancen haben, längst verstrichen – dennoch gelingen vereinzelt noch Rettungen.
Hilfe aus aller Welt
Die internationale Solidarität ist groß. Mehr als 2.000 Rettungskräfte aus Dutzenden Ländern sind im Einsatz, dazu zahlreiche Suchhunde. Auch Deutschland leistet Hilfe: Das Technische Hilfswerk (THW) entsandte rund 50 Fachkräfte mit Suchhunden, medizinischer Ausstattung und Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung. THW-Präsidentin Sabine Lackner betonte, gerade die ersten Tage nach einem Beben seien entscheidend, um noch Menschenleben zu retten. Auch Länder wie Mexiko, Chile und El Salvador schickten Teams.
Lange Last für ein angeschlagenes Land
Das Ausmaß der Zerstörung trifft ein Land, das ohnehin von wirtschaftlicher Not geprägt ist. Neben der akuten Suche nach Überlebenden stehen die Versorgung Zehntausender Obdachloser, die medizinische Hilfe für die Verletzten und der Wiederaufbau an. Hilfsorganisationen riefen zu Spenden auf. Klar ist schon jetzt: Die Bewältigung dieser Katastrophe wird Venezuela und die internationale Gemeinschaft über Wochen und Monate fordern.



