In Peru ist eine wochenlange Hängepartie zu Ende: Die Wahlbehörde hat Keiko Fujimori offiziell zur Siegerin der Präsidentenwahl erklärt. Doch der Streit um das Ergebnis ist damit nicht beendet.

Ein Sieg auf der Kippe

Fujimori, Chefin der rechtskonservativen Partei Fuerza Popular, setzte sich in der Stichwahl nur mit hauchdünnem Vorsprung durch – die beiden Lager trennten am Ende nur wenige Zehntausend Stimmen. Erst nach langer Auszählung, auch der Stimmen aus dem Ausland, stand das Ergebnis fest. Ihr Amt soll Fujimori Ende Juli antreten. Es ist bereits ihr wiederholter Anlauf auf das höchste Staatsamt – mehrfach war sie zuvor knapp gescheitert.

Die Tochter eines umstrittenen Präsidenten

Keiko Fujimori ist die Tochter von Alberto Fujimori, der Peru in den 1990er-Jahren mit harter Hand regierte und später wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen verurteilt wurde. Dieses Erbe prägt die Politikerin bis heute: Für ihre Anhänger steht der Name Fujimori für Ordnung und einen entschlossenen Staat, für ihre Gegner für autoritäre Versuchungen. Auch Keiko Fujimori selbst war jahrelang mit der Justiz konfrontiert – in einem Verfahren um mutmaßlich illegale Wahlkampffinanzierung, das sie stets bestritt und das zuletzt eingestellt wurde.

Vorwürfe und ein zerrissenes Land

Der unterlegene Herausforderer erkennt die Niederlage nicht an und erhebt Vorwürfe der Manipulation, besonders bei den Auslandsstimmen. Internationale Wahlbeobachter berichteten dagegen von keinen gravierenden Unregelmäßigkeiten. Die knappe Entscheidung zeigt vor allem eines: Peru ist tief gespalten. Fast die Hälfte der Wählerinnen und Wähler stimmte gegen Fujimori.

Eine Präsidentschaft mit Hypothek

Peru kommt seit Jahren nicht zur Ruhe; in kurzer Zeit lösten zahlreiche Staatschefs einander ab, Korruptionsaffären und Machtkämpfe lähmen das Land. Fujimori verspricht Stabilität, doch mit dem knappsten aller Mandate und einem gespaltenen Parlament wird das schwierig. Ihre erste Aufgabe ist es, überhaupt eine tragfähige Mehrheit zu organisieren. Ob die neue Präsidentin das Land befrieden kann oder die Gräben weiter vertieft, ist die große offene Frage.