In einer der reichsten Städte Deutschlands droht Hunderten Obdachlosen der Verlust ihres Schlafplatzes: Frankfurt muss seine größte Notunterkunft schließen.

Brandschutz zwingt zum Aus

Betroffen ist die Unterkunft in der U-Bahn-Station am Eschenheimer Tor, die seit dem Winter 2018 als Notschlafstelle dient. Eine neue brandschutztechnische Bewertung kam zu einem alarmierenden Ergebnis: Die Räume in der Station würden sich im Brandfall zu schnell mit Rauch füllen. Damit bestehe selbst bei einem kleinen Feuer eine Gefahr für Leib und Leben – ein Weiterbetrieb sei nicht zu verantworten. Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), der die Station gehört, zog daraus die Konsequenz: Die Räume stehen als Unterkunft nicht mehr zur Verfügung.

Rund 150 Menschen betroffen

Die vom Frankfurter Verein im Auftrag der Stadt betriebene Einrichtung bot Platz für rund 150 Menschen pro Nacht, in kalten Winternächten kamen noch mehr. Sie war die größte ihrer Art in der Stadt. Die Schließung ist für den Spätsommer geplant; mit Rücksicht auf die Hitzewelle wurde sie zunächst aufgeschoben. Für viele Betroffene fällt damit ausgerechnet vor dem nächsten Winter eine zentrale Anlaufstelle weg.

Streit um die Verantwortung

Über die Zukunft ist ein Streit entbrannt. Die Sozialdezernentin der Stadt sicherte zu, mit Hochdruck an Alternativen zu arbeiten. Aus der Kommunalpolitik kommt jedoch scharfe Kritik – auch daran, dass das Verkehrsunternehmen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe auf die Stadt abwälze. Die Sorge: Ohne ausreichenden Ersatz könnten Obdachlose wieder unkontrolliert in U-Bahn-Ebenen und auf Bahnsteigen übernachten.

Zelte als Notlösung

Als Übergang sind Zelte im Gespräch. Genaue Angaben zu Standort, Kapazität und Zeitplan stehen aber noch aus. Sozialverbände sehen solche Provisorien skeptisch: Zelte böten weder Schutz noch Würde, schon gar nicht über längere Zeit. Der Fall offenbart ein grundsätzliches Problem – dass aus der Not geborene Behelfslösungen über Jahre als Dauerzustand laufen, bis sie an Sicherheitsauflagen scheitern. Klar ist: Der Bedarf an sicheren, menschenwürdigen Unterkünften bleibt – und er lässt sich mit Zelten kaum decken.