Der mächtigste Mann des Weltfußballs gerät unter Druck: Gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino läuft eine Ethikbeschwerde – und nun stellen sich auch Europaabgeordnete dahinter.
Worum es geht
Ausgangspunkt ist eine Beschwerde, die eine Nichtregierungsorganisation bei der Ethikkommission der FIFA eingereicht hat. Der Vorwurf: Infantino verstoße gegen die im FIFA-Ethikkodex verankerte Pflicht zur politischen Neutralität. FIFA-Funktionäre dürfen sich demnach nicht politisch vereinnahmen lassen. Auslöser sind mehrere Auftritte und Gesten, mit denen Infantino große Nähe zu US-Präsident Donald Trump gezeigt haben soll – bis hin zur Verleihung eines neu geschaffenen Friedenspreises der FIFA an den Politiker.
50 Abgeordnete machen Druck
Nun bekommt die Beschwerde politisches Gewicht: 50 Mitglieder des Europäischen Parlaments aus mehreren Ländern und Fraktionen forderten den Verband in einem Brief auf, den Fall vollständig und transparent zu untersuchen. Sie wollen unter anderem wissen, wie der Friedenspreis zustande kam. Bei einem festgestellten Verstoß gegen die Ethikregeln drohen Funktionären Sperren von bis zu zwei Jahren.
Die Grundsatzfrage
Hinter dem Streit steht eine grundsätzliche Frage der Sport-Governance: Darf der Chef eines globalen Verbandes, der sich als überparteilich versteht, enge persönliche Beziehungen zu Staats- und Regierungschefs pflegen? Kritiker sehen darin eine Vermischung von Sport und Politik, die der Glaubwürdigkeit der FIFA schadet. Infantinos Amtszeit ist ohnehin von wiederkehrenden Debatten um Integrität und Intransparenz begleitet.
Wie es weitergeht
Die FIFA bestätigte den Eingang der Beschwerde, äußerte sich inhaltlich aber zunächst nicht; auch zu einem möglichen Ermittlungsstand gibt es keine Angaben. Ob die Ethikkommission ein Verfahren eröffnet, ist offen. Der Vorstoß der Europaabgeordneten dürfte den Druck dennoch erhöhen – und die Debatte darüber befeuern, wie unabhängig der Weltfußball von der großen Politik ist.



