Es sind zwei Namen, die für Krieg und Verbrechen mitten in Europa stehen: Sarajevo und Srebrenica. Beide Orte besucht nun die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner.
Eine Reise des Erinnerns
Aigner, frühere Bundesministerin und seit Jahren an der Spitze des bayerischen Parlaments, reist nach Bosnien und Herzegowina, um an die Opfer des Bosnienkriegs zu erinnern. Im Mittelpunkt steht Srebrenica, wo sich eines der schwersten Verbrechen der europäischen Nachkriegsgeschichte ereignete. Solche Besuche hochrangiger Politikerinnen und Politiker sind mehr als Protokoll: Sie sind ein Bekenntnis dazu, dass dieses Kapitel nicht vergessen werden darf.
Was in Srebrenica geschah
Im Juli 1995, gegen Ende des Bosnienkriegs, eroberten bosnisch-serbische Einheiten die Stadt Srebrenica, die unter dem Schutz der Vereinten Nationen stand. In den Tagen danach wurden mehr als 8.000 muslimische Männer und Jungen ermordet. Internationale Gerichte stuften die Tat als Völkermord ein. Das Versagen der Schutztruppen machte Srebrenica auch zum Symbol für die Ohnmacht der Staatengemeinschaft angesichts eines laufenden Massenverbrechens.
Erinnerung gegen das Vergessen
Dreißig Jahre nach dem Massaker ist das Gedenken keine reine Formsache. In Teilen der Region wird der Völkermord bis heute geleugnet oder verharmlost – ein Befund, der die Aufarbeitung erschwert. Gedenkbesuche setzen dem ein Zeichen entgegen: das Beharren auf den historischen Tatsachen und auf der Würde der Opfer und ihrer Angehörigen. Die Begegnung mit Überlebenden gehört zu solchen Reisen oft dazu.
Der Blick nach Europa
Die Visite hat auch eine Gegenwartsdimension. Bosnien und Herzegowina sowie die übrigen Länder des Westbalkans streben in die Europäische Union; ihre Annäherung ist erklärtes Ziel deutscher und europäischer Politik. Stabilität, Rechtsstaatlichkeit und Aussöhnung gelten dabei als Schlüssel. Wenn eine deutsche Politikerin Sarajevo und Srebrenica besucht, ist das deshalb beides zugleich: ein Blick zurück auf eine offene Wunde – und ein Signal, die Region auf ihrem Weg nach Europa nicht allein zu lassen.



